Shivering

Shownotes

Shivering beim Pferd wirkt oft irritierend: Die Hinterhand zittert, das Pferd hebt das Bein ungewöhnlich an oder hat Probleme beim Rückwärtsrichten und Hufegeben. Doch was steckt hinter dieser neurologischen Bewegungsstörung – und wann sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden?

In dieser Folge von Pferdegesundheit, dem Podcast der Gesellschaft für Pferdemedizin, sprechen Prof. Dr. Karsten Feige und Dr. Frederik Heun mit Ina Tenz über Ursachen, Symptome, Diagnostik und Management von Pferden mit Shivering.

Themen der Folge Was Shivering ist – und was nicht

Warum Shivering keine Infektion und nicht ansteckend ist

Typische Symptome: Zittern, übermäßiges Anheben und seitliches Wegführen der Hintergliedmaße

Warum Pferde diese Bewegungen nicht bewusst ausführen

Welche Rolle Kleinhirn und Nervenverschaltungen spielen

Warum die Ursachen bisher noch nicht vollständig geklärt sind

Welche Pferde häufiger betroffen sind

Wie sich Shivering von Stringhalt/Hahnentritt und Ataxie unterscheidet

Warum frühe Symptome oft mit Unwilligkeit oder „Zickigkeit“ verwechselt werden

Wann Besitzerinnen und Besitzer tierärztliche Hilfe holen sollten

Wie die Diagnose gestellt wird

Warum Videos aus dem Stall für die Untersuchung hilfreich sein können

Welche Begleiterkrankungen ausgeschlossen werden sollten

Warum es derzeit keine belegte Heilung gibt

Was im täglichen Management helfen kann

Wie Schmied, Tierarzt und Stallteam sicher mit betroffenen Pferden umgehen

Wann Weidehaltung und angepasste Bewegung sinnvoll sein können

Welche rechtlichen Fragen beim Pferdekauf relevant werden können

Was die Forschung über mögliche genetische Komponenten weiß

Zentrale Botschaft Shivering ist keine Unart und kein Trainingsproblem, sondern eine neurologische Erkrankung. Betroffene Pferde brauchen Verständnis, eine klare Diagnose und ein umsichtiges Management im Alltag.

Hinweis für Besitzerinnen und Besitzer Wenn ein Pferd beim Rückwärtsrichten, Hufegeben oder Berühren der Hintergliedmaßen auffällige Bewegungen zeigt, sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt hinzugezogen werden – auch, um Shivering von anderen neurologischen Bewegungsstörungen abzugrenzen.

Transkript anzeigen

00:00:00: Pferdegesundheit, ein Podcast der Gesellschaft für Pferdemedizin.

00:00:05: Über eine Million Pferde leben in Deutschland.

00:00:08: Ihre tägliche Versorgung und die Sorge um sie stehen im Mittelpunkt.

00:00:12: Und man spürt sofort – wenn etwas nicht stimmt!

00:00:16: Folge forty-one Schivering.

00:00:20: Wann sollte ich denn professionelle Hilfe holen?

00:00:22: Grundsätzlich würde ich empfehlen immer, wenn solche Symptome auftreten können ja neurologische Bewegungsstörungen manchmal ähnlich aussehen.

00:00:34: Und ob es jetzt eher ein Shivering ist, vielleicht doch einen Stringholt oder wie es von manchen Besitzern auch manchmal verwechselt wird – vielleicht eine Ataxie?

00:00:42: Da ist es doch sinnvoll in den Tierarzt hinzu zuziehen und einmal eine klare Diagnose zu

00:00:45: haben.".

00:00:47: Professor Carsten Feige ist Leiter der Pferdeklinik der tierzlichen Hochschule in Hannover und Ehrenpräsidentin der Gesellschaft für Pferdemedizin.

00:00:54: Mein Name ist Ina Tenz.

00:00:58: Spannendes Thema, es geht um Shivering.

00:01:01: Woher kommen diese neurologischen Bewegungsstörungen und was bedeutet diese Diagnose für ein Reitpferd?

00:01:06: Wir sprechen über Ursachen, Behandlungsmethoden und das Management von Pferden mit Shivering Und dazu begrüßen wir auch heute einen Gast und Experten auf diesem Gebiet Dr.

00:01:16: Frederik Heun.

00:01:17: Herzlich willkommen!

00:01:19: Den stelle ich vielleicht zuerst mal vor.

00:01:20: Guten Tag Frau Tenz, Herr Heun Das ist toll dass wir uns heute hier versammeln können um dieses Thema Schiffering mal zu beleuchten ein wichtiges und bedeutsames Thema in der Reiterwelt.

00:01:33: Wir wollen uns heute mit dem auseinandersetzen Und dazu ist Frederik Heun hier bei uns.

00:01:40: Er ist beschäftigt an der tierärztlichen Hochschule hat auch hier studiert.

00:01:43: in Hannover ist zuerst in der Anatomie gewesen, hat also die Anatomie grundlegend gelernt.

00:01:50: Hat dort seine Doktorarbeit gemacht und das als Grundlage genommen um hinterher hier bei uns in der Pferdeklinik eine Ausbildung zum Internisten zu machen.

00:02:01: Er hat ein Residenzprogramm durchlaufen europäische Facharztausbildung mit der Qualifikation innerer Medizin fährt.

00:02:11: Und da steht in einem halben Jahr die abfließende Prüfung an, das heißt also jetzt haben wir hier jemanden sitzen, der sich mit allen Themen wirklich intensiv auseinandergesetzt hat und dazu gehört auch das Schiffering.

00:02:23: darüber sprechen wir heute.

00:02:24: Hallo Herr Hohen!

00:02:25: Vielen Dank für die Einleitung.

00:02:26: ich freue mich sehr zu dem Thema hier mit Ihnen sprechen zu dürfen.

00:02:29: bin gespannt ob wir da die eine oder andere Frage klären können.

00:02:33: Wenn ich als Besitzerin in einem Satz verstehen möchte, was ist Chivering genau?

00:02:38: Und vor allen Dingen auch ... Was ist es nicht.

00:02:40: Chivering ist grundsätzlich eine neurologische Bewegungsstürme, die sich typischerweise durch Bewegungsauffälligkeiten in der Hinterhand darstellt.

00:02:50: In speziellen Situationen tritt das vermehrt auf.

00:02:53: Wichtig ist, es ist keine Infektionserkrankungen.

00:02:55: Es ist nicht ansteckend sondern eine Einfältiererkrankung.

00:02:59: Mhm!

00:03:01: Wie genau sind die Symptome?

00:03:03: Also wann als Besitzerin sollte ich genauer hinschauen oder im Hinterkopf haben, ah das ist vielleicht shivering und vielleicht erklären sie auch noch einmal genau was exakt ist dieses Krankheitsbild.

00:03:14: Ist es nur ein Begriff oder ist es tatsächlich ein physiologischer Vorgang der das beschreibt?

00:03:20: Schivering ist ja grundsätzlich eine neurologische Erkrankung und die führt zu auffälligem Bewegungsmustern in der Hinterhand.

00:03:28: Das klassische Bild, das fährt wird rückwärtsgerichtet und dann fällt an den Besitzern oder dem Tierarzt auf, dass das Fertigliedmaße übermäßig anhebt also anbeugt und dabei die Gliedmaße auch leicht vom Körper wegzieht so einer Abduktion stattfindet.

00:03:42: Das ist ein ganz charakteristisches Bild von Pferd zu Pferde durch verschiedene Auslöse ausgelöst.

00:03:49: Klassiker ist das Rückwärtsrichten, bei manchen Pferden reicht es aber auch schon die Gliedmaße zu berühren so dass die Glidmaße dann ja auffällig stark hochgezogen wird und ein bisschen vom Körper weg gehalten.

00:04:00: Also beim Huf anheben klassisch, beim Auskratzen

00:04:03: kommt

00:04:04: so einer Steifbein in Bewegung.

00:04:06: Oft fällt's dann auch beim Schmied auf wenn das Pferdd irgendwie Probleme hat den Huf länger anzuheben.

00:04:13: Manche Pferde, die stärker betroffen sind, können auch schlecht auf einer Gliedmaße stehen.

00:04:16: Die Erkrankung heißt ja auch Shivering, weil gerade wenn diese Symptome auftreten, die Pferda immer etwas zittern, seinem englischen Shivering heisst und daher hat diese Erkankungen ihren Namen.

00:04:28: Die Grundursache ist bei allen gleich aber die Symptomen können variabel aussehen von Pferd zu Pferden.

00:04:33: Deshalb ist es manchmal schwer das entsprechend im Frühstadium zu erkennen.

00:04:37: Die Symptomatik ist ja grade schon beschrieben worden.

00:04:41: Viele Tierbesitzer haben das Gefühl, der bewegt das Bein.

00:04:44: Aber das geschieht nicht willendlich.

00:04:47: Der bewegt es nicht bewusst, sondern das geschieht unwillkürlich also nicht durch das Pferd bewusst gesteuert.

00:04:55: Das muss man vielleicht auch dem Pferden zugutehalten.

00:04:58: Das ist nichts dafür kann.

00:04:59: Es ist keine aktive Abwehrhaltung, sondern geschieht unwillquirlig.

00:05:05: Macht es aber dann für den Besitzer nicht weniger gefährlicher?

00:05:08: Natürlich nicht!

00:05:09: Natürlich nicht.

00:05:10: Aber wie genau entsteht denn diese Erkrankung?

00:05:13: Wie muss ich mir das vorstellen, was ist der Auslöser?

00:05:16: Das Grundproblem sitzt hier im Bereich des Gehirns.

00:05:19: Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass wahrscheinlich eine Erkrankung im Bereich eines Kleinhierens bzw.

00:05:26: die Verschaltung des Kleinhiers mit entsprechenden Kerngebieten bei den Pferden gestört ist und ... Bei Menschen mit ähnlichen Schädigungen bzw.

00:05:37: Schädigung in ähnliche Hirnbereichen, da weiß man, dass die Menschen Koordinationsprobleme haben gerade mit Bewegung, die erlernt sind und mehrere Gelenke betreffen.

00:05:48: Und beim Pferd ist es so, das Rückwärtsrichten, das Anheben der Gliedmase – das sind eher erlernte Bewegungen, die den Pferden schwerer fallen.

00:05:55: Vielleicht einfacher oder schwieriger als gerade ausgehen oder galoppieren.

00:06:00: Das ist in einem gewissen Maße angeboren.

00:06:02: Ist denn Shivering häufig oder kommt es bei einigen Rassen auch verstärkt vor?

00:06:07: Oder gibt's darüber gar keine Erkenntnisse.

00:06:09: Also grundsätzlich würde ich nicht sagen, dass das häufig ist.

00:06:12: Das ist abhängig von der Rasse.

00:06:14: Warmblutferde aber auch einige Kaltblutrassen sind da vermehrt betroffen.

00:06:18: Es gibt eine Untersuchung zum Beispiel an belgischen Kaltbloodferden.

00:06:21: Da lag die Prävalenz also die Häufigkeit des Auftretens schon Das ist recht häufig.

00:06:31: Dafür gibt es aber auch Rassen, bei denen das gar nicht beschrieben ist.

00:06:34: Grundsätzlich muss man halt sagen, dass auch großramigere Pferde häufiger betroffen sind und es scheint so zu sein, dass hier geschlechtsabhängig eine Variation vorliegt.

00:06:44: Nämlich ist in den meisten Untersuchungen aufgefallen,

00:06:56: z.B.

00:06:57: Züchte, und sie bewegt sich seltsam?

00:07:00: Üblicherweise treten die ersten Symptome bei jüngeren Pferden auf.

00:07:05: Wenn Symptomen beim Pferd auftreten, dann sind die üblicher Weise so mit fünf bis sieben Jahren auch erstmals vorhanden.

00:07:12: Das Schwierige ist, dass die Symptom immer erst mild anfangen und über einen längeren Zeitraum,

00:07:19: d.h.,

00:07:19: über Jahre, sich langsam verschlechtern, das ist zumindest das übliche ... Und gerade in der Frühphase kann es sein, dass die Symptome nur selten auftreten oder der Auslöser so ungewöhnlich ist, das er nicht regelmäßig auftritt.

00:07:36: Mit dem Voranschreiten der Erkrankung werden die Symtome dann immer drastischer und oft wird die Erkankungen auch erst in einem etwas fortgeschrittenen Stadium als Shivering angesprochen.

00:07:46: Weil man ein vielleicht dezentes stärkeres Anheben des Bayerns ... oft noch gar nicht als Erkrankung erkennt.

00:07:51: Weißt man dann etwas über den Auslöser der Erkrankung?

00:07:54: Ist es ein Virusinfekt im Gehirn, geht das überhaupt durch?

00:07:58: die Blutherrenschranke sind Stoffwechselstörungen also ist darüber etwas bekannt?

00:08:02: Das ist eine ganz spannende Frage!

00:08:04: Die Forschung auf dem Gebiet der Schiveringerkrankung ist aktuell auch nicht so weit um das eindeutig beantworten zu können.

00:08:10: Es gab jetzt neue Untersuchungen.

00:08:14: diese neueren Untersuchen konnten wir erstmals zeigen dass wirklich Kleinhirn bei den Pferden mit Shivering auffälligkeiten vorliegen.

00:08:21: Die haben verstorbene Pferde untersucht, die an Shivering gelitten haben und da wurde gezeigt dass es weniger Synapsen in einigen Bereichen des Gehirns gibt und das auch die Aktione von wichtigen Neuronen im Kleinhirn, dass die Schädigungen aufweisen.

00:08:36: Vielleicht erlorten Sie noch kurz was Aktiones sind?

00:08:39: Also das sind die, ich sag mal, die wichtigen Leitungsbahnen.

00:08:42: Die zu den Nervenzellen gehören, die die Informationen vom Kleinhirn entsprechend dann an andere Bereiche weiterleiten und durch diese Verschaltung wird dann entsprechend die fein motorische Koordination im Gehirn gewährleistet.

00:08:55: Und im Umkehrschluss ist aktuell ja die gängigste Theorie dass diese Schädigung im Bereich dieser kleinen Hirnkerne die gestörten Koordination dieser Bewegung führt.

00:09:12: Die Grundauslöser, der ist leider noch unbekannt.

00:09:14: Also

00:09:14: nicht angebohnt?

00:09:15: Das kann man nicht direkt sagen oder?

00:09:18: Wichtig ist ... Die Pferde kommen nicht mit diesen Symptomen zur Welt!

00:09:22: Es ist aber gut möglich, dass die Veranlagung dieser Erkrankungen schon bei der Geburt vorhanden sind.

00:09:27: Nur es gibt keinen Test, der es ermöglicht das herauszufinden.

00:09:30: Ein

00:09:30: Hinweis dafür wäre zum Beispiel eben, dass eher großrahmige Pferden.

00:09:34: betroffen sind männliche Tiere, also eher Wallacher.

00:09:40: Das könnte ein Hinweis sein aber wie gesagt wir haben keine Belege für eine Erbkrankheit in diesem Sinne.

00:09:46: Die Erbkrankheit heißt es ist angelegt und es tritt mit Sicherheit auf und dafür haben wir keine Hinweise.

00:09:53: und vielleicht um auch das Thema.

00:09:56: Nervenkrankheiten sind insgesamt sehr schwer zu erfassende Erkrankungen.

00:10:00: und weil gerade die Frage nach der Ursache war dass das Problem bei einer Nervenerkrankung ist.

00:10:06: man kann die von der Symptomatik zwar immer gut beschreiben und wenn zum Beispiel ein Tier verändert, man das hinterher untersucht.

00:10:14: Dann ist der Nerv auch verändert aber egal was die Ursache ... Man sagt dann üblicherweise die Noxie ist also ob es eine Vergiftung ist, eine Infektionskrankheit oder auch eine Gewalteinwirkung also Schlag zum Beispiel.

00:10:29: Die Veränderungen sehen am Nerven immer gleich aus.

00:10:33: Wenn der nicht funktioniert, sieht der Pathologe, also der, der die Nervenzelle untersucht, immer die gleiche Veränderung und kann deshalb oder meistens die gleichen Veränderungsveränderung ... Und wie besteswegen kann er nichts sagen?

00:10:47: Das ist ein Virus oder das ist ein Schlag gewesen?

00:10:52: So viel vielleicht zur Erläuterung, dass es so einen ... Vielleicht nur ergänzende Informatik.

00:10:56: Auch nur

00:10:56: gute Erkenntnisse zu wissen, es ist noch nicht alles erforscht und da gibt es noch viele offene Fragen in diesem Bereich.

00:11:05: Woran erkenne ich denn als Laie im Stall?

00:11:07: Ah, das könnte jetzt Shivering sein!

00:11:09: Also rückwärtsrichten hatten sie schon erwähnt, Probleme beim Hof geben, gibt es weitere Symptome?

00:11:16: Grundsätzlich müssen wir erst mal festhalten dass es vier definierte Symptomformen bei dem Shivering gibt.

00:11:22: Der Klassiker über den haben wir jetzt schon gesprochen.

00:11:24: Der typische Auslöser ist in dem Fall dann das Rückwärtsrichten, das Pferd wird rückwärz geführt und dann treten Symptome auf wie übermäßiges Anheben des Beins und ein leichtes ja zur Seite ziehen also eine Flexion und Abduktion der Gliedmaße.

00:11:40: Das tritt dann so klassischerweise wenn das Pherd vielleicht vom Hänger geführt wird in einer stressigen Situation oder auch bei entsprechendem Training zum Beispiel des Rückwärtsrichtens erstmals auf.

00:11:51: Aber es gibt drei weitere Formen, die entsprechend nicht durch das Rückwärtsrichten klassischerweise ausgelöst werden.

00:11:57: Es gibt eine stehende Form wo die Pferde eigentlich uneingeschränkt rückwärz gehen können aber berühren oder anheben der Gliedmaße führt dann hier im Stand zu diesen typischen Symptomen.

00:12:08: Das Pferd hebt die Gliedmasse übermäßig stark an und hält sie ein bisschen seitlich vom Körper.

00:12:13: Und ganz charakteristisch Bei der Shiveringerkrankung ist, dass das Absetzen der Gliedmaße ganz langsam passiert und das Bein dabei etwas zittert.

00:12:21: Daher dieses Shivering.

00:12:23: Die vielleicht dramatisch aussehnste Form ist eine Form, wo sowohl beim Rückwärtsrichtensymptome auftreten als auch beim Vorwärz gehen.

00:12:34: D.h.,

00:12:34: die Pferde heben diese Gliedmasse stark an, ziehen sie ein bisschen zur Seite.

00:12:38: Das kann eine oder beide Hintergliedmaßen betreffen.

00:12:41: Beim Vorwärtsgehen sind ähnliche Symptome vorhanden.

00:12:44: Für die ersten paar Schritte, dann läuft sich das Pferd quasi ein und nach einigen Schritten kann das Pherd uneingeschränkt vorwärz gehen.

00:12:50: Es ist aber kein Haartritt?

00:12:53: Ganz wichtig!

00:12:55: Bei der Haartriterkrankung ist es so dass beim Vorwätsgehen die Gliedmaße übermäßig stark angehoben wird, dann auch wieder abgesetzt.

00:13:04: Hier sind die typischen Trigger nicht das Rückwärtsgehen und als ganz wichtiges Charakteristikum ist es so dass beim Handtritt die Gliedmaße nicht nach außen zur Seite gezogen wird.

00:13:14: Das heißt wir haben keine Abduktionskomponente.

00:13:17: Die ist beim Shivering immer vorhanden.

00:13:19: Können Sie vielleicht ganz kurz ich weiß dazu können wir wahrscheinlich eine eigene Folge machen aber erläutern was genau ist denn ein Handtritte um das zu differenzieren?

00:13:28: Bei der Erkrankung des Handtritts handelt es sich auch um eine neurologische Erkrankung.

00:13:33: Hier ist die Ursache noch idiopathisch, so nennen wir das immer wenn die genaue Ursache nicht erforscht ist.

00:13:39: Beim Handtritt ist ganz klassisch dass die Bewegung zwar eine Hyperflexion also eine übermäßige Anbeugung anhebung der Gliedmaße ist aber das Bewegungsmuster ist durchgängig.

00:13:50: Es kommt quasi nicht zu einem starken anheben, verharren in dieser Position und dann zum Beispiel langsam am absenken der Gliedmaße.

00:13:59: Und das bedeutet wir haben hier auch eine neurologische Gangstörung die aber typischerweise beim Vorwärtsgehen auftritt Die von den Triggern also von den auslösenden Faktoren definitiv anders ist als beim Shivering.

00:14:11: Das Anberühren der Glietmaß ist nicht kein typischer Auslöser.

00:14:15: Das wird rechtsrichten dass haben wir jetzt auch als Eigen Ständiges Merkmal des Shiverings festgehalten.

00:14:21: Das sehen wir alles beim Handtritt nicht.

00:14:24: Handtritte kann in zwei Formen vorkommen, es gibt den klassischen.

00:14:28: Da weiß man noch gar nicht was entsprechend hier der Auslöser ist.

00:14:32: und dann gibt's den sogenannten Australian-Stringhold, der durch eine übermäßige Aufnahme von Ferkelkraut ausgelöst werden kann.

00:14:40: Das tritt z.B.

00:14:41: vermehrt in trockenen Sommern auf.

00:14:44: Dann kommt das hier vermehrts zu einer Aufnahme dieser Pflanze durch die Pferde auf der Weide und dann können solche Symptome auftreten.

00:14:52: Da kann ich vielleicht von einer wissenschaftlichen Untersuchung, die wir hier an der tierärztlichen Hochschule gemacht haben berichten.

00:14:58: das ist eben genau in dem trockenen Sommer zwei tausend achtzehn und neunzehnt gewesen als die weiden komplett abgeweidet waren.

00:15:06: da ist dieses ferkelkraut das kommt hier in europa auch vor.

00:15:10: wir haben vorhin den begriff australien stringhold gehört dass es die gleiche pflanze Die hat einen lateinischen Namen wie Aller, die heißt Hypokoris Radiata.

00:15:20: Das weiß ich nur deshalb weil wir das damals mal nachschauen mussten und die Pferde, die auf diesen abgeweideten Weiden in der Trockenheit gehalten worden sind da diese Pflanze ist dann halt dagewesen die normalerweise nicht gefressen wird die es dann vermehrt aufgenommen wurden und diese Pferden haben dann Handtritte entwickelt.

00:15:43: Das war eine der wenigen Untersuchungen, wo wir mehrere Pferde wirklich unter den gleichen Bedingungen hatten.

00:15:50: Es waren damals insgesamt zwölf Pferden und die waren entweder stundenweise bis Wochenweise auf den Weiden hat das gefressen und die Symptome waren, die danach entstanden sind von geringeradisch bis hochgradig und viele über Monate.

00:16:09: diese Symptomen behalten Einige sogar dauerhaft.

00:16:14: Also, das ist auch eine schwerwiegende Erkrankung einer anderen und mindestens bei der Erkrankung kennen wir eine Ursache, nämlich das

00:16:21: Werkelkraut.".

00:16:22: Dieser Podcast ist ein Projekt der GPM – die Gesellschaft für Pferdemedizin.

00:16:28: Die GPM steht seit Jahrzehnten für Qualität, Wissenschaft und Verantwortung in der Pferdemedizin.

00:16:34: Sie ist das Netzwerk für Tierärztinnen und Tierärzte, die mehr wollen als Routine Wissenteilen Standards weiterentwickeln und Pferdemedizin aktiv gestalten.

00:16:45: Die GPM verbindet Praxis- und Klinik, Forschung und Alltag.

00:16:50: Sie schafft Leitlinien, bietet Fortbildung auf höchstem Niveau

00:16:53: Und

00:16:53: gibt der Pferdemedizin eine starke Stimme – national wie international.

00:16:59: Für alle die Pferdamedizin nicht nur ausüben sondern voranbringen wollen.

00:17:04: Willkommen bei der Gesellschaft

00:17:06: für Pferdomedizin.

00:17:08: Ich kann mir vorstellen, dass wenn es zuerst mal auftritt.

00:17:11: Das ist ja auch so viel Missverständnis kommt in den Stellen also Wenn ein junges fährt gerade nicht rückwärts gehen will das man einfach dann sich da durchsetzt und sagt er stellt sich an Und ist das korrekt?

00:17:23: Und am wann ist eine zickigkeit tatsächlich eher krankhaft?

00:17:27: Das ist eine ganz wichtige frage denn gerade In den ersten Wochen bis Monaten der Erkrankung wenn die Symptome noch sehr mild sind dann werden diese Bewegungsstörung, glaube ich, oft für Wehrhaftigkeit gehalten.

00:17:41: Wenn es jetzt zum Beispiel beim Anheben des Hufes auftritt ... Es könnte auch mit Unkooperativität verwechselt werden, wenn's darum geht neue Lektionen zu lernen die dann spezielle Bewegungen und das Pferdes erfordern.

00:17:53: Und da ist es einfach schön dass wir in diesem Podcast darüber sprechen können um halt dafür zu sensibilisieren, dass viele oder einige Bewegungsauffälligkeiten, doch krankhaft sind.

00:18:06: Das Pferd erfährt dadurch zwar keine Schmerzen durch diese Shiveringerkrankung aber das ist trotzdem nichts was man mittels Zwang- oder Training beeinflussen kann oder sollte denn ich denke dass Pferde schon stark genug dadurch beeinträchtigt dass eine Gliedmaßesachen machen die das Pferden nicht geplant hatte und Training kann hier entsprechend so durchgeführt werden wie es Pferdes hergibt.

00:18:32: Wenn der Punkt gekommen ist, wo einfach aufgrund so einer Bewegungsstörung einige Lektionen nicht mehr möglich sind.

00:18:37: Ist auch der Strich gekommen, wo ich sagen würde bis dahin und nicht weiter.

00:18:42: Und ich denke erfahrenere Trainer haben da entsprechend dann auch einen Spür für oder können natürlich jederzeit uns Tierärzte kontaktieren wenn das irgendwie fraglich ist ob es jetzt doch vielleicht eine Unart oder ja schon eine Erkrankung ist.

00:18:56: Also man erschrickt ja vermutlich auch, wenn man die Hufe auskratzen möchte und das Pferd hebt ruckartig die Hintergliedmasse an, streckt sie noch in eine Richtung ab.

00:19:04: wann?

00:19:05: es ist dann gefährlich?

00:19:06: also im Umgang im Stallalltag?

00:19:08: Das ist immer schwer abzusehen weil die Gefahren ja doch nicht so offensichtlich sich ankündigen.

00:19:17: Pferde die stärker betroffen sind haben definitiv das Risiko, dass sie vielleicht während einer stark ausgeprägten Episode dieser Schibberingerkrankung nicht mehr stehfähig sind.

00:19:26: Das heißt ein stark betroffenes Pferd, man versucht den Hof anzuheben und im ungünstigsten Fall stolpert das Pferde oder fällt zu einer Seite.

00:19:35: Und gerade wenn man dann als umstehende Person nicht mehr ausweichen kann, kann es definitiv gefährlich werden auch für das Pherd weil natürlich ein Verletzungsrisiko gegeben ist.

00:19:45: Deshalb ist erst mal ein ganz wichtiger Punkt Menschen, die mit solchen Pferden Umgang haben sollten einfach darüber Bescheid wissen.

00:19:52: Das heißt wenn ein neuer Schmied kommt oder ein Tierarzt oder vielleicht auch andere Menschen das Pferd irgendwie Putzen vorbereiten reiten sollen dass man denen einfach klar sagt mit was man rechnen muss.

00:20:02: Grundsätzlich ist aber so Pferde die an der geringgratigen Ausprägung der Chibbering Erkrankungen leiden.

00:20:08: von denen geht eigentlich kein höheres Risiko aus wie von jedem anderen Pferrd und Mit den kann man dann entsprechend so umgehen, wie es die Tagesform hergibt.

00:20:16: Okay und der Schmied?

00:20:17: Ich meine das muss ja gemacht werden.

00:20:19: wenn er seinen Hof nicht richtig geben kann oder ist es nur eine Phase stellt er sich dann drauf ein und dann in einer Zeit geht es dann doch.

00:20:26: oder

00:20:28: bei manchen Pferden ist es so dass es nicht bei jedem mal wo der Hof angehoben wird oder die Gliedmaße berührt wird auch zu einer Symptomausprägung kommt.

00:20:38: aber bei den meisten Pferde gerade wenn die Erkrankungen fortgeschritten sind dass es einfach jedes Mal Probleme gibt.

00:20:44: Was helfen kann, ist, dass man dann zum Beispiel eine Position des Beines findet die dem Pferd angenehmer ist und den Hof vielleicht nicht so stark anhebt.

00:20:53: Es hat sich auch gezeigt, dass bei manchen Pferden das hilfreich ist wenn man nur kurz an dem Hof arbeitet und dann zum anderen Hinterhof wechselt und das quasi hin und her.

00:21:02: Da gibt's einfach keine Pauschallösung sondern... ...es ist einfach nötig, was man ausprobiert, was für das Pferde möglich und nötigt Dass man sich darauf einstellt.

00:21:10: In schwerwiegenden Fällen kann es auch helfen, eine leichte Sedierung anzuwenden.

00:21:15: Das hilft nicht bei jedem Pferd aber wenn man weiß bei dem Pferde reduziert die Symptome könnte man darüber nachdenken ob man für Schmiedetermine vielleicht über so was nachdenkt.

00:21:23: Wenn's nicht anders geht

00:21:24: Ab wann sollte ich denn professionelle Hilfe holen?

00:21:28: Grundsätzlich würde ich empfehlen immer wenn solche Symptomen auftreten und man noch keine sichere Diagnose hat.

00:21:35: Denn zum einen können neurologische Bewegungsstörungen manchmal ähnlich aussehen.

00:21:41: Und ob es jetzt eher ein Shivering ist, vielleicht doch einen Stringholt oder wie es von manchen Besitzern auch manchmal verwechselt wird.

00:21:48: Vielleicht eine Ataxie?

00:21:49: Da ist es doch sinnvoll in den Tierarzt hinzuziehen und einmal eine klare Diagnose zu haben.

00:21:53: Können wir kurzen Ausflug machen noch zum Thema Ataxi, dass wir das kurz beleuchten was da der Unterschied ist die Differenzierung eben zur Shivering?

00:22:02: Sehr gerne!

00:22:03: Unsätzlich ist eine Ataksi auch eine neurologische Bewegungsstörung aber Der Sitz der Erkrankung, würde ich sagen ist ein anderer.

00:22:11: Und zwar bei einer oder bei der typischen Attaxie über die wir hier meistens reden und typischerweise sehen da ist es so das ist eher eine Erkrankung des Rückenmarks und durch diese gestörte Weiterleitung der Information zwischen Gehirn- und Vorder- oder Hintergiegmaße kommt es dann dazu dass die Pferde unkoordiniert gehen.

00:22:31: Die Schwanken, die Stolpern, die bewegen die Giedmaße Inwendungen, auffällig oder schleifen auch mal mit den Zähnen.

00:22:39: Und diese Erkrankung tritt meist auf weil entsprechend im Bereich

00:22:46: des

00:22:46: Rückenmarks, im Halsbereich sich der Kanal wo das Rückenmark langläuft.

00:22:51: Weil der in irgendeiner Weise eingeeckt ist.

00:22:53: Das heißt da kommt so ein Druck auf die Nerven und dann...

00:22:55: So weit oben schon gar nicht unbedingt Lendenwirbelsäule sondern schon direkt am Hals.

00:23:00: Interessanterweise hier hat meist jetzt die Erkankung im Haltsbereich wie das Pferd laufen soll.

00:23:07: Das läuft quasi vom Gehirn bis an die Hintergliedmaße und wenn es dann im Halsbereich schon zu Druck auf das Rückenmark kommt, dann kommt es hier zu einer Störung der Weiterleitung.

00:23:17: Je nachdem welche Nerven abgedruckt werden betrifft es entweder die Hintergliedmaße oder die Vordergliedmasse.

00:23:23: Und

00:23:24: das kann man tatsächlich auch erklären weil das gerade mehr oder weniger so ein bisschen die Frage war wieso sind dann die Hinter Gliedmaßen betroffen?

00:23:32: Wenn noch der Hals erkrankt ist?

00:23:34: Der Friedrich hat das gerade erklärt.

00:23:37: Die Information läuft praktisch vom Gehirn über die Halswerbelsäule bis zu allen Gliedmaßen, also alles muss ... durch den Halslaufen an Information und diejenigen Nervenfasern, die die Hintergliedmaßen versorgen.

00:23:50: Die laufen weiter außen im Rückenmark.

00:23:52: Das heißt wenn es zu einer Einengung vom Rückenmarkt kommt dann werden immer zuerst diejenigen betroffen die die hinter Gliedmaßend versorgn.

00:24:01: Und deswegen ist bei allen Formen der Attaxie, die eben Halswirbelbereich ihre Ursache haben sind die Hintergliedmaßen immer ein Grad stärker betroffen als die Vordergliedmassen.

00:24:12: Ich bedanke mich schon jetzt für diese Erklärung.

00:24:14: Das ist ... ja, spannend.

00:24:17: Und eben vom Sitz her beim Schiffering sitzt die Erkrankung eindeutig wie gerade schon erklärt im Bereich von Nervenzellen des Kleinhierns.

00:24:26: Da ist der Erkrankungs-Sitz also definitiv im Gehirn selbst und bei der Ataxie, ich will sagen zu neunzig Prozent in dem Bereich der Halswirbelsäule oder der Brust-, oder der Lendenwirbels säule.

00:24:40: Das kommt auch vor aber überwiegend ist es die Hals Wirbelsäulen?

00:24:44: Das können wir gut differenzieren.

00:24:46: Jetzt weiß ich auch, warum immer die Hinterhand betroffen ist.

00:24:50: Spannend!

00:24:53: Was passiert denn genau bei der Diagnostik?

00:24:56: Ist es eine reine klinische Diagnastik, dass man sagt, eindeutig, die Symptome sind klar oder wird in MRT gemacht vom Kleinhillen oder ist das zu aufwendig?

00:25:07: Grundsätzlich stützt sich die Diagnose der Erkrankung Schivering erst mal rein auf die klinischen Untersuchungen.

00:25:16: eine ausführliche neurologische Untersuchung durchführen, um einmal das Gangbild zu beurteilen.

00:25:22: Schauen uns vielleicht auch Videos an, wenn das fährt gerade dann hier vor Ort keine oder wenige Symptome zeigt.

00:25:27: Wichtig ist natürlich dass man andere Grunderkrankungen ausschließt.

00:25:31: Das heißt deshalb führen wir immer eine auswöhnliche neurologischen Untersuchungen durch, um halt auszuschließen, dass zum Beispiel noch eine Attaxi- oder andere Störungen des Nervensystems vorliegen und... Deshalb verlassen wir uns für die Diagnose-Stellung komplett auf das klinische Bild, was in der Regel ganz charakteristisch ist.

00:25:50: Wichtig ist aber dass man bei Verdachtswellen dann mehr ins Detail geht mit der Diagnostik um vielleicht Begleiterkrankungen zu diagnostizieren.

00:25:58: Es gab zum Beispiel Beschreibungen wo Pferde zeitgleich shivering und PSSM hatten.

00:26:05: Wenn solche Pferden an PSSM leiden, wenn man das PSSM adäquat behandelt, Das ändert nichts an der Shiveringerkrankung, weil die sitzt definitiv im Bereich des Kleinhierens und der Kleinenkerne.

00:26:19: Aber trotzdem ist es wichtig Begleiterkrankungen zu erkennen und dann auch adäquat zu therapieren.

00:26:24: Und abschließend muss man halt noch sagen eine ganz sichere Diagnose kann man bezüglich des Shiverings nur stellen wenn man wirklich das Kleinchen untersucht.

00:26:35: Aber das Problem ist, die Veränderungen sind mikroskopisch klein.

00:26:39: Die können wir leider nicht in der Computerturbografie oder Magnetresonanz-Turbographie sehen und daher ist das keine Untersuchung, die uns am Leben enttiert zur Verfügung steht.

00:26:50: Deshalb auch nicht wirklich hilfreich.

00:26:51: Aber vielleicht ein Hinweis für die Hörer, wir haben gerade gesagt das klinische Bild ist das Entscheidende für die Diagnose und die klinischen Symptomatik wird nicht immer gleich gezeigt oder manchmal sogar gar nicht oder es schwer zu provozieren.

00:27:06: Und deshalb ist es oftmals hilfreich wenn wir Videomaterial bekommen und dann kann man hat man mindestens bekommt man den Eindruck was jetzt der Auslöser wann passiert dass und anhand der Symptomatik kann man dann schon sich einen Eindruck gewinnen.

00:27:22: Das ist durchaus hilfreich, wenn wir Videos da zur Verfügung haben.

00:27:25: Das klammert den Vor- für Effekt aus, denke ich.

00:27:27: Ja

00:27:28: auf jeden Fall!

00:27:29: Es

00:27:29: ist auch ganz praktisch als eine Art Symptom-Tagebuch weil gerade bei so langsam progressiv verlaufenden Erkrankungen das heißt langsam voranschreitend und es ist ja auch immer hilfrecht, wenn man die Ausprägung einfach mittels Video festhält.

00:27:40: Dann kann der Tierarzt vielleicht den Symptomenverlauf mal über ein halbes Jahr oder ein Jahr mittels Videos analysieren.

00:27:47: Gibt es eine Gradierung, also eine Einteilung des Schweregrats bei der Diagnostik?

00:27:53: Um auch den Verlauf festzuhalten?

00:27:54: oder heißt das nur Shivering.

00:27:57: Also grundsätzlich klassifizieren wir diese verschiedenen Shiveringtypen die ich anfangs schon angesprochen habe.

00:28:04: Das heisst wie gesagt man sollte zwischen den vier Formen klinisch unterscheiden und ne objektive Graduierung gibt es leider nicht.

00:28:14: Es gibt jetzt nicht wie zum Beispiel bei der Ataxi ein Score, dass man sagt die

00:28:17: Ataxie

00:28:18: ist jetzt grad vier von fünf.

00:28:19: Irgendeine

00:28:20: Tabelle herum als

00:28:21: grade drei?

00:28:22: Das ist definitiv Ziel von weiteren Forschungsarbeiten, die in anderen Universitäten laufen.

00:28:28: aber aktuell stellen wir die klinische Diagnose.

00:28:31: Schivering nennen gegebenenfalls noch den Schiveringtyp wenn er eindeutig ist und ansonsten ist Die Einschätzung wie schwerwiegend es ist aktuell noch eher von der Erfahrung des Untersuchers abhängig dass man das als geringe Mittel oder hochgradig einstuft.

00:28:47: Ich ahne die Antwort, ich frage aber trotzdem gibt es eine Heilung für Shivering?

00:28:52: Gibt es Medikamente?

00:28:53: Was ist die Therapie?

00:28:55: Die Frage kann man rein theoretisch ganz kurz beantworten.

00:28:59: Eine zielführende Therapie gibt es leider nicht.

00:29:03: Ich möchte noch mal kurz den Umwegwagen wieder auf diese Begleiterkrankungen einzugehen weil sofern quasi andere entweder schmerzhafte oder leistungseinschränkende Erkrankungen vorliegen.

00:29:16: Dann profitieren die Pferde enorm davon, wenn diese Adäquat behandelt werden.

00:29:20: Das heißt man sollte einfach nach der Diagnose Shivering nicht aufhören das Pferd zu untersuchen, sondern sich ein vollständiges Bild von den Patienten machen.

00:29:29: Gerade was Nutzbarkeit und Leistungsfähigkeit aber das wichtigste Lebensqualität des Pferdes angeht ist es halt dann sehr sinnvoll, wenn man diese Begleiterkranklungen adäquatemanaged Und dann haben die Pferde erst mal eine bessere Lebensqualität und beim geringgradiger Ausprägung des Shiverings auch die Möglichkeit, eine gute Leistung zu bringen.

00:29:51: Vielleicht zur Therapie?

00:29:52: Weil gerade die Frage gekommen ist, haben wir therapeutische Möglichkeiten ... Ja, es sind viele Therapieformen beschrieben.

00:30:03: Da gehört zum Beispiel Vitamingeabender zu Schmerzmittel, muskel- erschlaffende Medikamente.

00:30:11: Das steht zum Teil auch in unseren Lehrbüchern drin.

00:30:13: Das ist Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen gewesen und natürlich ist das auch unter Tierwissitzerinnen bekannt, aber zum Schluss muss man sagen es gibt keine tatsächliche Belege dafür dass diese Behandlungen auch erfolgreich sind.

00:30:30: Das gleiche gilt für Akkupunktur- und Chiropraktik.

00:30:33: Das alles untersucht.

00:30:37: Man hat viele Versuche gemacht, diesbezüglich eine Besserung herweizuführen.

00:30:42: Aber es ist tatsächlich so ... Zum Schluss muss man sagen im Moment gibt es keine belegterfolgreiche Behandlung.

00:30:50: Das ist die schlechte Nachricht?

00:30:52: Ja,

00:30:52: die harte Wahrheit.

00:30:54: Aber gut dann, denke ich mal, muss man das Ganze managen.

00:30:57: Denn bei uns im Steil steht ein Pferd, das hat Schivering.

00:31:00: Es ist hochbetagt aber läuft super!

00:31:04: Also unter dem Reiter immer noch alles perfekt und man würde es nicht ahnen, wenn man das nicht wüsste.

00:31:10: Gibt es da Management-Empfehlungen oder?

00:31:14: Ja, es gibt eine Management Empfehlung.

00:31:16: Sie haben mal einen Vortrag darüber gehalten und da bin ich selber erstaunt gewesen.

00:31:22: Weiterhaltung!

00:31:23: Das ist das offensichtlich einzige was ja als Belegt gilt dass das Schiffering besser wird.

00:31:31: Ich weiß jetzt nicht, ob dieses Pferd regelmäßig auf der Weide gehalten ist.

00:31:35: Nein!

00:31:36: Dann ist das die Ausnahme.

00:31:38: Also grundsätzlich ist natürlich das Einfachste, dass man wenn bekannt die auslösenden Situationen,

00:31:44: d.h.,

00:31:44: diese Trigger einfach versucht zu vermeiden, wenn die Pferde Probleme haben beim Rückwärtsgehen dann kauft man sich vielleicht einen Hänger wo das Pferdd vorwärtes runter gehen kann und macht, trainiert wenig Lektion was rückwärzrichten angeht.

00:31:56: in der Regel zeigt einem das Pherd was möglich ist und was nicht.

00:32:00: Es gibt natürlich auch immer noch die Pferde, bei denen diese Symptome nicht voranschreitend sind.

00:32:06: In dem Fall hat man Glück und wir hören immer mal wieder oder sehen auch immer mal Pferden im hohen Alter, die eine geringe Ausprägung dieser Erkrankungen haben und damit auch gut reiterlich nutzbar sind auf jeden Fall ein pferdegerechtes Leben führen können.

00:32:19: Nur frustrieren sind dann natürlich immer die Fälle, bei den es etwas zügiger progressiv verläuft von entweder Weiterhaltung.

00:32:32: Man sollte natürlich darauf achten, dass die Pferde in Regionen oder auf einem Untergrund gearbeitet werden, wo die Pherde trittsicher gehen und stehen können.

00:32:42: Dass die Hufe immer adäquat bearbeitet sind einfach um letztendlich einen Ausrutschen und Stolpern ansonsten etwas unwahrscheinlicher zu machen.

00:32:51: Man kann das auch erklären warum kein Therapie Erfolg zu erwarten ist weil eine Nervenzelle regeneriert nicht Und das heißt, wenn ein gewisses Maß an Nervenzellen defekt ist dann ist halt mit einem funktionellen Ausfall zu rechnen und mit dem Wissen dass es nicht regeneriert.

00:33:11: Ist auch ein Therapie Erfolg nichts zu erwarten.

00:33:14: und was man eben erwarten kann ist, dass man durch Ausbildung durch Management den Pferd lernt mit der Situation umzugehen

00:33:24: und

00:33:24: das

00:33:25: ist natürlich auch eine Form von Therapieerfolg oder Management-Erfolg in dem Fall.

00:33:30: Aber gibt es auch, wir sprechen ungern drüber aber auch Worst Case Beispiele?

00:33:35: Wo Sie dann die Empfehlung geben ... Dieses Pferd zum Managing ist zu gefährlich für alle Betreuer und umgebenden Personen.

00:33:43: Also wird das auch ausgesprochen?

00:33:44: Oder ist das so ein Tabu-Thema?

00:33:47: Ein Tabuthema ist es nicht und sollte es auf gar keinen Fall sein denn im Moment wenn der Erkrankung so stark ausgeprägt ist einfach dazu führt, dass das kein pferdegerechtes Leben mehr ist.

00:33:57: Dann ist man als Tierarzt auch verpflichtet im Sinne des Pferdes drüber nachzudenken, ob vielleicht das Einschlevern für das Pferd die beste Option ist.

00:34:06: Beim Shivering ist es aber insgesamt sehr selten, dass die Erkrankung so stark ausgeprägt ist.

00:34:12: Weil im Zweifel können solche Pferde zum Beispiel noch im Offenstall auf der Weide gehalten werden.

00:34:17: Auch wenn z.B.

00:34:18: die Symptomausprägungen so stark sind, ist es vielleicht trotzdem noch ein pferdegerechtes Leben auf der Weide zu stehen und zum Beispiel das Rentnerleben zu genießen.

00:34:30: Das bedeutet, Pferde müssen sehr selten aufgrund dieser Erkrankung eingeschlefert werden.

00:34:37: Man muss letztendlich einfach mit Augenmaß und ja ich denke mal Pferdesachverstand beurteilen.

00:34:43: Ist das Leben noch pferdigerecht oder ist das Leiden überwiegt?

00:34:46: Das letztendlichen Tagesablauf?

00:34:48: Und dann ist es denkig fairer auch solche Pferden im schlimmsten Fall zu erlösen.

00:34:54: Eine Frage für alle Züchterinnen und Züchtern, die uns zuhören.

00:34:57: Gibt es eine genetische Komponente bei Shivering?

00:35:00: Oder ist auch das nicht bekannt?

00:35:02: Da läuft die Forschung auf Hochtouren um das zu bestätigen oder zu widerlegen.

00:35:07: Das heißt, wie Professor Feige schon erwähnt hatte ... Mögliche Vererbung oder genetische Komponente ist nicht auszuschließen, weil wir haben Rassen, bei denen das Gehäuft vorkommt.

00:35:20: Dann haben wir Rassen wo es deutlich selten nachvorkommt ... Können

00:35:23: Sie einige nennen?

00:35:24: Bei Warmblütern ist das bei einzelnen Linien vermehrt beschrieben.

00:35:28: Belgische Kaltblutpferde, Quarter-Hors und auch einzelne Vollblut.

00:35:34: Scheierhorses

00:35:35: sind hier entsprechend vermehrт belastet.

00:35:38: Und hingegen bei Ponys ... soweit ich weiß nicht beschrieben.

00:35:43: Das legt nah, dass es in irgendeiner Form eine genetische Komponente geben müsste weil wenn das gar keine Einflüsse der Genetik gibt dann würden alle Pferde das gleichmäßig haben wie zum Beispiel Kohlig- oder Lahmheit.

00:35:55: da ist egal ob das ein Pony oder großwert ist grundsätzlich... Es ist aber nicht nachgewiesen wie und ob also es vererbt wird

00:36:03: d.h.,

00:36:03: es ist erstmal nur ne laheligende Vermutung.

00:36:06: Können

00:36:07: Sie etwas sagen zur aktuellen Forschung, wir hatten es kurz gestreift.

00:36:10: Es ist noch ein weites Feld aber gibt es Ansätze wo sie sagen das ist spannend?

00:36:16: Das könnte der richtige Weg sein oder neue Forschungsergebnisse die vielleicht einen Durchbruch bei dieser Erkrankung suggerieren?

00:36:25: also der erste durchbruch der jetzt ich sage mal in neuerer zeit geschafft wurde Ist dass wir erstmals überhaupt belegen können dass bei den ferden im bereich der Nerven des Kleinhierens, diese Erkrankungen so sitzen scheint.

00:36:39: Dass hier Auffälligkeiten vorliegen?

00:36:41: Ich denke das ist der erste wichtige Schritt um vielleicht dann auch zu einer besseren Therapie zu kommen.

00:36:47: Entscheidend wäre jetzt als nächstes dass vielleicht offenbart oder erforscht wird wie es denn entsprechend zur Entwicklung dieser auffälligkeiten kommt.

00:36:58: Professor Fall gesagt ja schon wenn eine Nervenzelle geschädigt ist und man diesen Schaden feststellt, kann man letztendlich leider nicht darauf rückschließen was diesen Schadens ausgelöst hat.

00:37:09: Das denke ich erst mal der nächste wichtige Schritt nachzuweisen.

00:37:14: gibt es eine genetische möglicherweise ja angeborene Komponente.

00:37:18: gibt es vielleicht ein Auslöser der Erkrankung die einfach noch nicht gefunden wurde und erst wenn wir das wissen können wir glaube ich effektiv Management oder Therapie Empfehlungen geben.

00:37:28: zum Beispiel muss man züchterisch da rangehen, wenn es eine wirkliche Erbkrankheit ist.

00:37:33: Gibt es vielleicht Behandlungsoptionen?

00:37:35: Die den Ausbruch oder das Voranschreiten irgendwie abmildern oder verhindern?

00:37:39: Ich denke, dass wäre spannend aber dann müssen wir definitiv auf die nächsten Jahre warten und hoffen, dass es da neue Erkenntnisse gibt!

00:37:47: Ja und dann bleibt vielleicht noch der Part der rechtlichen Komponent zu klären.

00:37:52: also Wenn ich ein Pferd kaufe und bei dem wird im Nachgang Shivering entdeckt... Etwas wie früher, sagt man ja Gewährsmangel.

00:38:01: Gibt's ja nicht mehr?

00:38:02: Aber da hab ich das Recht, das Pferd dann zurückzugeben und ... Ja, wie sieht es da aus an der Stelle beim Thema Pferdekauf?

00:38:11: Das ist auf jeden Fall eine kritische Frage!

00:38:14: Ja, genau so untersteigend.

00:38:19: Ich kann jetzt natürlich leider keine Rechtsberatung dazu abgeben aber ich habe einen Urteil gefunden was auch bis zum Oberlandesgericht haben dann entsprechend weiter gefochten wurde.

00:38:29: Da war es so, dass ein Pferd verkauft wurde.

00:38:32: kurz nach dem Kauf sind Symptome aufgetreten und es hat sich später herausgestellt das die Verkäufer schon Anhaltspunkte für diese Shiveringerkrankung hatten.

00:38:41: Das wurde beim Verkauf nicht aufgedeckt, klar geäußert Und da hat das Gericht um diese Schiveringerkrankungen als Sachmangel anerkannt und auch festgestellt Dass die Ver Käufer verpflichtet gewesen wären das aufzudecken Und ...

00:38:56: Das ist mitzuteilen, weil die Vereinen bekannt und

00:38:59: jetzt mitteilen müssen?

00:39:00: Ja.

00:39:00: Und von daher ist es definitiv sinnvoll für alle Verkäufer, dass man einfach offen mit dieser Erkrankung umgeht.

00:39:07: Letztendlich mehrere Gerichtsurteile sind mir dazu nicht bekannt, aber der eine Fall, der klar zeigt, Gerichte nehmen diese Erkankungen ernst.

00:39:15: Wenn vor dem Kauf bekannt ist, das diese Erkrankung schon besteht, vielleicht sogar ein Tierarzt, die Diagnose schon mal geäußert hat, dann ist klar, dass er das mitteilt.

00:39:24: Auf jeden Fall wird es ja wertmindernd sein.

00:39:27: Und das Voranschreiten ist, glaube ich, die unsichere Komponente bei dieser Errankung.

00:39:32: Das ist das große Problem, dass es an der tickende Zeitbombe ist.

00:39:35: Es gibt einfach keine Möglichkeit vorherzusehen, ob es jetzt bei dem Einzeltier voranschleiten wird oder nicht.

00:39:41: Auch eine geringradige Ausprägung beim Zeitpunkt des Kaufes kann dazu führen, dass man vielleicht in ein paar Jahren entfernt hat was nicht mehr reitbar ist?

00:39:49: Das lässt sich nicht vorhersehen, man kann auch Glück haben und es bleibt ein Leben lang eine gering radige Ausprägung.

00:39:54: Und das Pferd kann einwandfrei auch komplizierte Relektionen oder einen Springpark übermeistern.

00:40:00: aber wie gesagt als Tierarzt hat man da keine Option das vorherzusehen und das ist dann schwierig.

00:40:06: Dann bleibt es dabei.

00:40:08: Ich zitiere hier Professor Carsten Feige, Pferdekauf ist das riskanteste was man in seinem Leben tun kann.

00:40:14: Es gibt nichts was dieses Risiko minimiert.

00:40:17: Hab ich das wirklich schon mal gesagt?

00:40:19: Zumindest aus finanzieller Sicht

00:40:20: vielleicht!

00:40:22: Und trotzdem würde ich mir jederzeit ein Pferdd kaufen.

00:40:25: Das ist ja genau das.

00:40:27: wir stecken alle Leidenschaften mit rein an dieser Stelle aber das nochmal auf den Punkt gebracht zu diesem Thema.

00:40:33: Also auf jeden Fall die Empfehlung, man muss Shivering offenlegen.

00:40:36: Wenn man Symptome bemerkt ... Denn alles andere ist ja mal so schlecht nach hinten wieder durch!

00:40:45: Was könnte sich rechnen?

00:40:46: Herzlichen Dank für diese Einblicke und auch die Aufklärung vor allen Dingen und die Differenzierung zum Thema Shivering in Bezug auf Attaxin- und Handtritt.

00:40:56: Ich hab wie immer viel gelernt Und ja, sag danke und freue mich auf die nächste Folge.

00:41:02: Und dem schließe ich mich gerne ein!

00:41:03: Ich sage auch Danke, Frederik Reun und Ina Tenz, dass wir uns heute über dieses Thema hier unterhalten haben.

00:41:08: Ja vielen Dank an Sie beide, das war eine spannende Erfahrung in den Podcast mitzuwirken.

00:41:12: Danke!

00:41:13: In der nächsten Folge geht es um ein wichtiges inneres Organ – Die Leber.

00:41:18: In welcher Form die Leber beim Pferd erkranken kann?

00:41:20: Was frühe Alarmzeichen sind und wie Erkrankungen der Leber behandelt werden können.

00:41:25: Darüber sprechen wir mit Professor Carsten Feige.

00:41:27: Bis dahin empfehlen Sie uns gern weiter und schicken uns auch Ihre Themenwünsche.

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