IBD - Inflammatory Bowel Disease
Shownotes
In dieser Episode sprechen wir über eine Erkrankung, die in der Pferdemedizin diagnostisch anspruchsvoll ist und für Pferdebesitzerinnen und -besitzer häufig mit vielen Fragezeichen beginnt: IBD – Inflammatory Bowel Disease beim Pferd.
Professor Karsten Feige, Leiter der Pferdeklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Ehrenpräsident der Gesellschaft für Pferdemedizin, sowie Dr. Anne Grob, die seit Jahren schwerpunktmäßig zu Magen-Darm-Erkrankungen beim Pferd arbeitet, ordnen gemeinsam ein, warum IBD ein Sammelbegriff ist, welche Symptome (z. B. Gewichtsverlust trotz guter Fütterung, rezidivierende Kolik, Durchfall, Leistungsabfall) typisch sein können und weshalb die Diagnose oft erst nach Ausschluss anderer Ursachen gestellt wird.
Außerdem geht es um die wichtigsten Bausteine der Diagnostik – von Labor und Ultraschall bis zu Biopsien und Absorptionstests – sowie um Therapie und Management: Welche Rolle spielen Fütterung, Haltung und Immunsuppression (u. a. Cortison) und was können Betroffene realistisch erwarten? Eine Folge für alle, die IBD besser verstehen und frühzeitig richtig einordnen möchten. Darum geht’s in der Folge
Was ist IBD beim Pferd? IBD als Überbegriff für verschiedene entzündliche Darmerkrankungen (Dünndarm und/oder Dickdarm) – klinisch oft schwer zu unterscheiden.
Typische Warnsignale und wann man an IBD denken sollte
Gewichtsverlust trotz guter Futteraufnahme und hochwertigem Futter
Wiederkehrende Kolik-/Aufgasungsepisoden
Lethargie, Apathie, reduziertes Allgemeinbefinden
(Phasenweiser) Durchfall
Ödeme als mögliches Spätzeichen (u. a. durch Proteinverlust) – wichtig: hat auch viele andere Ursachen
Formen/Untergruppen (histologisch differenzierbar)
Granulomatöse Enteritis
Lymphoplasmazelluläre Enteritis
Eosinophile Enteritis/Colitis sowie Sonderformen (u. a. fokale Varianten, teils multisystemisch)
Ursachen und Risikofaktoren – was man weiß und was nicht
Kein einzelner Auslöser; wahrscheinlich multifaktoriell
Dysregulation des Immunsystems im Darm (fehlende Toleranz gegenüber normaler Darmflora/Nahrungsbestandteilen)
Parasiten und Futtermittel-/Unverträglichkeitskomponenten als mögliche Mitfaktoren
Allergiediagnostik beim Pferd: begrenzt, häufig nur über Ausschluss/Diätversuche
Diagnostik: Warum es kein „einen Test“ gibt IBD wird häufig über Ausschlussdiagnostik und kombinierte Befunde eingegrenzt:
Klinische Beurteilung (Kondition, Haarkleid, Fressverhalten, Kot)
Labor (Gesamtprotein/Albumin, Blutbild/Differenzialblutbild, Leber-/Nierenwerte)
Ultraschall Abdomen (u. a. Darmwandverdickung als Hinweis)
Gastroskopie (auch wegen möglicher Begleiterkrankungen)
Biopsien (Duodenum via Gastroskopie oder Rektumschleimhaut; ggf. intraoperativ) als wichtigste Absicherung
Xylose-Absorptionstest zur Beurteilung von Malabsorption
Kostenrahmen (Orientierung) Für eine „erste“ umfassendere Diagnostik (Labor, Ultraschall, Gastroskopie mit ggf. Biopsie, Histopathologie, Ausschluss weiterer Ursachen) wird ein Richtwert von ca. 1.000 € genannt – je nach Fall und Umfang.
Therapie: Zwei Säulen plus Begleitmaßnahmen
Fütterungs-/Haltungsmanagement (hochwertiges, schmackhaftes Heu; möglichst wenige Futtermittel-Komponenten; energiereiche, gut verträgliche Zusätze; gezielte Proteinergänzung; Öle; Mikronährstoffe im Blick)
Medikamentöse Immunmodulation: Glukokortikoide (Cortison) als First-Line, bei schweren Fällen initial i.v. (z. B. Dexamethason) und anschließend oral mit Ausschleichen
Behandlung möglicher Trigger/Komorbiditäten (z. B. Parasitenmanagement)
Prognose und Verlauf
Chronische Erkrankung, in der Regel nicht „heilbar“, aber häufig managbar
Verlauf oft schubweise mit guten und schlechten Phasen
Prognose insgesamt vorsichtig bis eher ungünstig; eosinophile und fokale Formen teils besser
Therapieansprechen in der Initialphase ist entscheidend für die Einschätzung
Forschung & Probiotika Mikrobiom und probiotische Ansätze sind Gegenstand der Forschung – ein klarer, durchschlagender Nutzen ist derzeit nicht gesichert.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Pferdegesundheit.
00:00:01: Ein Podcast der Gesellschaft für Pferdemedizin.
00:00:05: Über eine Million Pferde leben in Deutschland.
00:00:08: Ihre tägliche Versorgung und die Sorge um sie stehende Mittelpunkt.
00:00:12: Und man spürt sofort, wenn etwas nicht stimmt.
00:00:17: Folge ... wenn der Darm chronisch erkrankt ist.
00:00:23: Als Differenzialdiagnose kann man das bei dieser Form von Symptomatiken, also ein Pferd, was ... trotz guter Futteraufnahme meistens auch und trotz hochwertigem Futter nicht zunimmt, weiter abnimmt.
00:00:33: Was wiederkehrende Kollegen zeigt, vielleicht etwas lethargischer, etwas apathischer ist, kann man das mit Sicherheit im Hinterkopf behalten.
00:00:43: Professor Karsten Feige ist Leiter der Pferdeklinik der Tärzlichen Hochschule in Hannover und Ehrenpräsident der Gesellschaft für Pferdemedizin.
00:00:50: Mein Name ist Ina Tens und heute sprechen wir über eine diffuse Krankheit, die eigentlich ein Sammelbegriff ist.
00:00:58: IBD heißt sie, also Inflanatory Bowl Disease.
00:01:02: Und der Name lässt ahnen.
00:01:03: Es geht um den Verdauungstrakt.
00:01:05: Es betrifft den Dünnendarm, manchmal auch den Dickdarm des Pferdes.
00:01:08: Und dazu begrüßen wir neben Professor Karsten Feige auch Dr.
00:01:13: Anne Grob.
00:01:14: Sie ist Expertin auf diesem Gebiet.
00:01:15: Hallo.
00:01:17: Ja, hallo.
00:01:17: Zunächst mal Frau Tenz.
00:01:18: Das ist schön, dass Sie da sind.
00:01:20: Und Sie haben eigentlich einleitend schon sehr viel zu unserem heutigen Thema gesagt.
00:01:24: Ich stelle vielleicht unsere ... Kurreferentin heute vor, Dr.
00:01:29: Anna Grob, die ist schon seit vielen Jahren hier an der Tärzlichen Hochschule in Hannover beschäftigt.
00:01:34: Seit dem Jahr zwei Tausend Achtzehn hat er schon als Studentin in der Klinik mitgearbeitet und dann später eine Ausbildung zur Fachdialzin für innere Medizin des Pferdes gemacht und sich dann wirklich intensiv mit dem Thema Gastrointestinaltrakterkrankungen, also Magendarmtrakterkrankungen befasst.
00:01:52: Und wir haben sie heute eingeladen, weil sie, ich glaube, wirklich sehr viel zu diesem Krankheitsbild IBD, also Inflamatory Bowl Disease, sagen kann.
00:02:01: Es ist ja ein sehr... Abstraktabegriff.
00:02:03: Seit wann gibt es denn überhaupt diese Erkrankungen?
00:02:07: Erstmals beschrieben oder in der Literatur aufgetaucht, ist der Begriff, und seitdem sind einige Fallbeispiele dazu oder Fallbeschreibungen dazu aufgeschrieben worden oder berichtet worden, die diesen Begriff oder diese Erkrankung erläutern und sich damit beschäftigen.
00:02:27: Was genau ist es denn, IBD klingt ... Ja, wie eine Abkürzung für etwas, was man nicht so ganz genau beschreiben kann.
00:02:34: Im Grunde ist, wie Sie es schon gesagt haben, ein Sammelbegriff.
00:02:38: Das heißt, wir haben eine Gruppe von verschiedenen entzündlichen Dameerkrankungen, die es beim Fert gibt, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden und somit etwas kopiert werden.
00:02:50: Und als Patientenbesitzerin ... Wie werde ich darauf aufmerksam?
00:02:55: Gibt es beim Pferd ähnlich wie bei Menschen verschiedene Formen, chronischer Erkrankungen?
00:03:00: Oder ist es immer nur die eine Form, an der man Pferd erkranken kann?
00:03:04: Es gibt verschiedene Formen, die wir dort unterscheiden können.
00:03:08: Das, was diese Formen im Endeffekt unterscheidet, in der Darstellung oder in der Ursache, ist die Art der Entzündungszellen.
00:03:16: in die Darmwand einwandern und dort zu der Entzündung und zu den Problemen führen, die wir da sehen können.
00:03:21: Da gibt es verschiedene Formen, die sich auch sowohl in diesen Entzündungszelleninfiltraten unterscheiden, als auch etwas in der klinischen Ausprägung und in den Symptomen, die die Pferde dann zeigen.
00:03:31: Wir können vielleicht durchaus mal ein paar nennen.
00:03:33: Wir hören sich extrem kompliziert an und im Prinzip bezeichnet die Erkrankung immer das, was passiert.
00:03:39: Wollen Sie vielleicht einige mal aufzählen, dass ... dass klar wird, dass dieser Begriff IBD eigentlich ein Überbegriff ist für entzündliche Erkrankungen, die wir als Kliniker, also wenn wir nur von außen auf das Pferd schauen können, gar nicht unterscheiden können.
00:03:56: Aber bei der feingeweblichen Untersuchung, also wenn der Pathologe da im Biopsyproben unter das Mikroskop liegt, dann kann er das ganz genau sehen und dann kann man die unterscheiden.
00:04:08: Vielleicht können Sie da ein paar Nennen, die wir da unterscheiden können.
00:04:12: Also es gibt die granulomatschöse Enteritis, das ist im Endeffekt das, was man so ein bisschen vergleichen kann von der Art der Entzündung mit Morbus grunen beim Menschen beispielsweise.
00:04:24: Das ist die eine Form, die wir sehen, die kann sowohl den Dünndarm als auch den Dickdarm betreffen.
00:04:29: Es gibt eine Lymphoplasma-Zelluläre Enteritis, auch hier kann der Dickdarm oder der Dünndarm betroffen sein, dabei kommt es eben zur Ansammlung von Lymphozyten und Plasmazellen in der Darmwand, die dann zu Problemen führen können.
00:04:44: Und dann gibt es noch eine relativ große Gruppe an Eosinophilen, infiltrativen Erkrankungen.
00:04:51: Auch da kann sowohl der Dünndarm betroffen sein, dann spricht man von einer Eosinophilen Enteritis.
00:04:56: Der Diggdarm kann betroffen sein, dann spricht man von einer Eosinophilen Colitis.
00:05:01: Oder es gibt dort auch noch Sonderformen, zum Beispiel eine Form, die quasi multisystemisch.
00:05:07: Das bedeutet, es ist nicht nur der Darm betroffen, sondern diese Entzündungszellen, die in Organe einwandern, finden sich auch in anderen Organesystemen.
00:05:15: Zum Beispiel der Lunge oder der Leber oder der Haut.
00:05:19: Und eine weitere Sonderform, die kann man auch noch einmal ansprechen, zählt auch zu diesen eosinophilen Erkrankungen.
00:05:25: Das ist eine idiopathische, focale eosinophile Enteritis, wobei es quasi nicht die Fuß zu einer Infiltration der Darmwand kommt, sondern es ist tatsächlich sehr fokal.
00:05:36: zu einer Entzündungsreaktion kommt, was dann zu einer Verdickung der Darmband führt und dann auch tatsächlich nicht nur eben zu diesen Problemen, die durch die Entzündungsreaktion zustande kommen, sondern auch zu Problemen, die tatsächlich mit einer Passagesstörung einhergehen können.
00:05:51: Also eine absolut komplexe Erkrankung.
00:05:54: Wir gehen gleich näher auch noch mal darauf an.
00:05:55: Aber
00:05:55: vielleicht können wir kurz noch erklären, das waren jetzt extrem viele medizinische Fachbegriffe und diese Fachbegriffe waren eigentlich immer ... Zellbezeichnungen, also wenn man es gibt zum Beispiel Granolozyten, das war ja gerade von Granolomatöser Enteritis die Rede und die Granolozyten, das ist eine Form von weißen Blutkörperchen, das gleiche gilt für Lymphozyten, also da war gerade von Lymphoplasmazellulär Entzündung die Rede oder Eosinophile.
00:06:25: Enteritis war auch, im Fall auch Eosinophile sind weiße Blutzellen, die dann eben vermehrt in diesem Zellbild auftreten und die Krankheit charakterisieren.
00:06:36: Und so sind die Bezeichnungen.
00:06:37: Das findet man, das ist krankheitstypisch.
00:06:40: Dann gab es noch andere Begriffe, Fokal oder Diffus.
00:06:43: Und Fokal, das kommt von Fokus, das ist halt nur ganz punktuell nur ganz kleine Abschnitte sind betroffen.
00:06:51: Und
00:06:52: Diffus,
00:06:52: da ist das dann halt über den ganzen Darm verteilt.
00:06:55: oder wie Frau Grupp gerade schon gesagt hat, es sind auch andere.
00:07:00: Organe noch betroffen werden.
00:07:01: Wir haben das vor Kurzem bei einem Wert hier in der Klinik gehabt.
00:07:05: Das ist vorgestellt worden mit Hautveränderungen.
00:07:08: Und da konnten wir diese Erkrankung als Ursache feststellen.
00:07:11: Also wirklich ein ja schon herausforderndes Krankheitsbild.
00:07:16: Ja, es klingt sehr komplex.
00:07:18: Und wir gehen gleich ja auch noch mal näher drauf ein, die Symptome.
00:07:21: Aber vielleicht, wo wir schon so mittendrin sind in der Beschreibung, gibt es Risikofaktoren, die diese Krankheit auslösen.
00:07:29: Es ist im Grunde so, dass wir leider zur Momentanzeitpunkt noch nicht genau sagen können, was jetzt der Auslöser ist oder den einen Auslöser benennen können.
00:07:39: Man geht schon von einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus.
00:07:43: Allen voran eben das körpereigene Immunsystem des Pferdes, was im Darm ja eigentlich eine sehr komplexe Aufgabe hat, nämlich zum einen eine gewisse Toleranz innezuhaben, um eben auf Zum einen auf Nahrungsantigene, also Stoffe der Nahrung, aber auch auf kompensale Bakterien, also Bakterien, die normalerweise auch im gesunden Darm des Pferdes vorkommen, eben mit einer gewissen Toleranz zu reagieren und diese als normalen Darminhalt wahrzunehmen.
00:08:15: Zum anderen aber auch eben auf Pathogene, also Krankheitsverursachende.
00:08:21: Organismen, zum Beispiel Bakterien oder Viren, eben mit einer gewissen Entzündungsreaktion und damit einer gewissen Immunabwehr zu reagieren.
00:08:29: Und bei Pferden mit IBD oder dieser Erkrankung geht man eben davon aus, dass dieses Gleichgewicht zwischen dieser Toleranz, von der wir gesprochen haben und dieser quasi Abwehrbereitschaft nicht mehr im Gleichgewicht ist, sondern das Immunsystem eben auch auf kompensale Bakterien.
00:08:49: die natürliche Darmflora und aber auch Nahrungsantigene eben mit einer Entzündungsreaktion reagiert.
00:08:55: Wenn man das zusammenfasst, ich glaube, das ist bei unseren Hörern ja auch bekannt, das wäre dann eine klassische immunbedingte Erkrankung, also durch das Immunsystem oder Fehlfunktion des Immunsystems ausgelöste Erkrankung.
00:09:09: So als Lein-Meinung würde ich mir denken, okay, was kann so eine Erkrankung auslösen?
00:09:14: Also sind es vielleicht auch Parasiten?
00:09:16: oder ist es ... künstlicher Dünger, der im Gras sich irgendwo wiederfindet?
00:09:22: Oder gibt es da Stoffe, die bekannt sind, die auch damit zusammenhängen könnten?
00:09:27: Also in jedem Fall ist es so, dass man davon ausgeht, dass auch eine Besiedlung des Pferdedarmes mit Parasiten zu der Entstehung der Erkrankung in gewisser Hinsicht beitragen kann oder das Immunsystem da in gewisser Weise so modulieren kann, dass es eben zu Problematiken führt.
00:09:45: Ähnlich ist es mit verschiedenen Futtermitteln oder verschiedenen Stoffen, die vielleicht im Futter vorkommen.
00:09:51: Auf die individuelle Pferde oder der individuelle Darm von einem Pferd schon auch reagieren kann mit einer Entzündungsreaktion, sodass es dann eher nicht zur Richtung Autoimmunerkrankung, also auch Autoimmunerkrankung, aber auch so ein bisschen Richtung einer Unverträglichkeit auf gewisse Futtermittel geht.
00:10:12: So
00:10:12: wie bei uns Gluten und Verträglichkeit, das Beispiel.
00:10:16: Das wird natürlich für Pferde schwierig dann.
00:10:18: Generell die Allergiediagnostik beim Pferd ist sehr schwierig.
00:10:22: Und vor allem auch auf Futtermittel bezogen, ist das einfach wahnsinnig schwierig, da einen auslösenden Faktor herauszufinden.
00:10:30: So einen klassischen Allergie-Test, wie man das jetzt vielleicht von Menschen kennt, auf gewisse Nahrungsmittel, sag ich mal, ist so für das Pferd leider nicht verfügbar.
00:10:40: Das ist dann tatsächlich eher im Sinne von einer Ausschluss.
00:10:44: die jetzt passieren kann, dass man über eine gewisse Zeit nur gewisse Futtermittel füttert, andere weglässt und dann schaut, wie sich das Pferd entwickelt.
00:10:52: Jetzt sind wir schon mittendrin im Thema.
00:10:55: Aber fange ich mal vorne an, nämlich bei dem Patientenbesitzer, der schaut sein Pferd an und denkt sich, ah, sieht irgendwie schlecht aus, obwohl er gutes Futter kriegt, obwohl alles hochwertig ist, Entwurmung regelmäßig passiert.
00:11:08: Ab wann?
00:11:09: sollte ich den Tierzinn zuziehen und eventuell auch diese Diagnose im Hinterkopf haben.
00:11:14: Im Grunde ist es schon so, dass die Erkrankungen von der Symptomatik her sehr ähnlich sein kann, eben zu diesen klassischen anderen Erkrankungen, die mit Gewichtsverlust einhergehen oder mit reduziertem Allgemeinbefinden, Rezidivierender Kolik.
00:11:30: Also, als Differenzialdiagnose kann man das bei dieser Form von Symptomatiken, also ein Pferd, was ... trotz guter Futteraufnahme meistens auch und trotz hochwertigem Futter nicht zunimmt, weiter abnimmt.
00:11:43: Was wiederkehrende Kollegen zeigt, vielleicht etwas letargischer, etwas apathischer ist, kann man das mit Sicherheit im Hinterkopf behalten.
00:11:53: So eine klassische Einsymptom, sag ich mal, wo man jetzt sagen sollte, das ist sehr, sehr hinweisend dafür.
00:12:02: Wäre gegebenenfalls, aber dann sprechen wir schon von Schlimmeren.
00:12:06: verläufen, sag ich mal, wenn die Pferde beispielsweise Ödeme entwickeln, die sie entwickeln können.
00:12:12: Müssen
00:12:13: wir vielleicht erklären.
00:12:14: Ödeme, das wäre eine Schwellung am Unterbauch.
00:12:17: Die Züchter unter den Zuhörern kennen das.
00:12:19: Bei der hochtragenden Stute findet man am Unterbauch ein Ödem, heißt das.
00:12:25: Das ist eine Schwellung, das ist resultiert aus einer vermehrten Ansammlung von Flüssigkeit in der Unterhaut.
00:12:31: Und so was tritt bei diesen Pferden auch auf.
00:12:36: Zwar aus dem Grund, weil die Darmwand beeinträchtigt ist, die ist geschädigt und dann geht Eiweiß verloren in den Darm.
00:12:44: und dieser Eiweißverlust führt dazu, dass auch im Blut weniger Eiweiß zirkuliert und Blut und Eiweiß, also Proteine, die binden Wasser.
00:12:56: in der Blutsirkulation.
00:12:58: Wenn die das nicht mehr binden können, dann wird das unter anderem auch in die Haut verlagert.
00:13:02: Und dann kommt es zu diesen Hautschwellungen.
00:13:04: Also das ist praktisch ein Symptom von einem Eiweißverlust.
00:13:08: Das ist das, was Frau Grobkart sagt, das ist das schlimme Anerkrankung.
00:13:12: Dann ist es eigentlich schon ein schlimmer und kaum reversibler Prozess.
00:13:17: Und sonst kann man diese Erkrankung nicht unterscheiden, also von einem Magengeschwür oder Parasitenbefall oder Kolik, also ab wann kommt denn die Therzinnen und Therz drauf?
00:13:29: Ah, Moment, vielleicht sollten wir das im Hinterkopf haben.
00:13:31: Von der Symfomatik her ist es wahnsinnig schwierig, das zu unterscheiden, weil auch die Symptome von Pferd zu Pferd einfach extrem unterschiedlich sind.
00:13:38: Zum einen eben abhängig davon, welcher Darmteil ist in welchem Maße betroffen.
00:13:44: hellhörig sollte man mit Sicherheit werden, wenn man andere Möglichkeiten für diese Symptomatiken ausgeschlossen hat.
00:13:54: Wo wir dabei wären, dass die Diagnostik schon aufwendiger sein kann und es jetzt quasi leider keinen ... Eindeutigen oder einen Test gibt, um zu sagen, das Pferd hat IBD oder das Pferd hat keine IBD, sondern es ist eher eine Vielzahl von Untersuchungen, die im Endeffekt dann zu der Diagnose führen.
00:14:12: Aber ich finde es gut, wie Sie das sagen, dass man, wenn man sein ganzes Management überprüft hat.
00:14:18: Und eigentlich der Meinung ist, wir haben eine optimale Haltung, wir haben sehr gutes Futter.
00:14:24: Wir führen regelmäßig Entwurmungen durch, es erfolgen regelmäßig andere vorbeugende Behandlungen, sodass offensichtlich keine Managementfehler bestehen.
00:14:35: Dann muss man an die Erkrankung denken.
00:14:38: Ich glaub, ein Symptom, was wir vergessen haben, zu erfahren, ist Durchfall, oder?
00:14:43: Das wäre auch ein Vorstellungsgrund, der auch viele Ursachen haben kann, aber unter anderem eben auch als die IBD.
00:14:51: Wäre das permanenter Durchfall oder erholt sich das mal?
00:14:54: Es ist tatsächlich meistens so bei der Erkrankung, dass das eher so wählen ... für mich verläuft, die Pferde bessere Phasen haben, wo sie vielleicht auch vielleicht will, etwas an Gewicht gewinnen, eher normalen Rotabsatz haben.
00:15:07: Und dann aber eben auch in der Phasen haben, wo es ihnen sowohl klinisch schlechter geht, als auch sie Durchfall zeigen oder andere Symptome, wie auch zum Beispiel rezidivierende Aufgasungen, Koliksymptome.
00:15:20: die immer mal wieder vorkommen.
00:15:22: Das ist, glaube ich, das Tückische.
00:15:23: Deswegen denkt man nicht so daran, weil jedes Pferd hat möglicherweise mal einen Tag, wo es im Schlechter geht, auch mal einen Tag, wo leicht der Kohlig auftritt, wo man sicherlich nicht zu Anfang schon den Rückschluss ziehen kann.
00:15:36: Da ist möglicherweise so eine komplexe Erkrankung grundlegend.
00:15:44: Wenn ich meine Haltung einmal komplett hinterfragt habe, die Futtermittel vielleicht habe kontrollieren lassen, ich sonst die Zähne habe angucken lassen.
00:15:54: Also quasi so diese offensichtlichen Sachen, die sonst zu diesen Symptomatiken führen können.
00:15:59: Und das aber keine Besserung bringt.
00:16:01: Mit dem, dass ich vielleicht noch zusätzliche Symptome beobachten kann, wie eben vielleicht Durchfallritze, die wir in der Aufgasung, vielleicht eben sogar diese Ideen.
00:16:11: Dann ist es mit Sicherheit sinnvoll, einen Tierarzt oder eine Tierarztin hinzuzuziehen, um ... eine möglichst genaue Diagnose stellen zu können.
00:16:22: Wenn jetzt so ein Ödem unter dem Bauch beim Pferd auffindbar ist, kann das auch andere Ursachen haben oder ist es immer ganz sicher dann gleich IBD?
00:16:30: Das kann tatsächlich eine Vielzahl von anderen Ursachen haben.
00:16:33: Die muss man auch sagen, meistens sogar die häufigeren Varianten.
00:16:39: die haufigeren Ursachen sind als jetzt die IBD speziell.
00:16:42: Das sind zum einen Herzerkrankungen, die da eine Rolle spielen können.
00:16:46: Es gibt auch andere Erkrankungen, die eben zu diesem Verlust von Protein führen können und damit zu Flüssigkeitsaustritt aus dem Gefäßsystem, zum Beispiel eine Nierenerkrankung oder eine Lebererkrankung, die da auch eine Rolle spielen kann.
00:16:58: Und im Grunde zusammenfassend kann man, glaube ich, sagen, dass sich die Diagnostik oder das, was dann ... im Endeffekt an Untersuchungen gemacht wird, schon immer an dem primären Symptom des Pferdes orientiert.
00:17:13: Also ist es jetzt entweder dieses Ideen oder ist es die Abmagerung oder ist es der Durchfall.
00:17:20: Und wenn man da dann quasi mit den gängigen Untersuchungsmethoden oder mit den häufigeren Verdachtstiagnosen, die man hat, eben nicht fündig wird und nicht weiter kommt, dann ist es so, dass ... wenn man diese Erkrankung schon im Hinterkopf hat und da dann auch speziellere Diagnostik einleiten kann, wenn es eben vorher zu keinem Ergebnis kommt.
00:17:42: Genau so, wie Sie es schildern, zeigt eigentlich, die Erkrankung kommt vor, aber es ist keine alltägliche Erkrankung und wir sehen sie nicht jeden Tag, sondern wir sehen sie gefühlt häufiger als früher.
00:17:55: Aber ...
00:17:56: Weil auch sie sensibilisiert werden darauf, wahrscheinlich.
00:17:59: Auch, weil wir sie im Hinterkopf haben, weil wir danach suchen, wenn wir die Diagnostik mehr oder weniger sehr ausführlich durchgeführt haben, dann wird halt ganz gezielt daraufhin untersucht.
00:18:10: Vielleicht können wir das noch kurz erläutern, wie die spezifische Diagnostik dann gemacht wird.
00:18:16: Genau, also im Grunde ist es so, dass man das fährt sich zum einen einmal natürlich im klinischen ... im Gesamten anschaut, den Ernährungszustand beurteilt, sich auch das Haarkleid des Pferdes und den Allgemeinzustand natürlich anschaut.
00:18:31: Vielleicht auch das Pferd einmal bei der Futteraufnahme beobachtet schaut, hat das Frist es tatsächlich wirklich gut und den ausreichender Menge.
00:18:41: Die Kotbeschaffenheit sollte man sich auf jeden Fall angucken.
00:18:45: Das sind schon mal so die klinischen Sachen, die man machen kann.
00:18:48: Und dann ist es so, dass sich Als nächstes dann verschiedene andere, mehr oder weniger invasive Schritte anschließen.
00:18:56: Das ist zum einen eine Laboruntersuchung, vor allem eben in dem Fall, wenn wir Udeme an dem Pferd feststellen können, das wäre dann zum einen ein Blutbild, was man machen kann, auch ein Differenzialblutbild, um auch eben dort die verschiedenen Entzündungszellen im Blut sich anschauen zu können.
00:19:13: Man schaut sich den Protein-Gehalt an, das ist ja im Endeffekt das, was dann für diese Udeme-Entwicklungen ... wichtig ist, den Gehalt zu kennen.
00:19:20: Und auch den Algumengehalt kann man sich noch mal anschauen.
00:19:23: Das ist noch mal ein spezifischer Anteil von dem Gesamtprotein, was man messen kann.
00:19:29: Und dann eben zum Ausschluss von diesen anderen Erkrankungen, die ich eben noch genannt hatte, kann man einmal die Nierenwerte überprüfen, die Leberwerte überprüfen.
00:19:37: Das wäre dann so das, was man an Labordiagnostik machen kann, woran sich dann eine Ultraschalluntersuchung auch anschließen kann.
00:19:47: Das Abdomens, um dort eben gewisse Darmenteile... Kurze
00:19:51: Unterbrechung, Abdomen heißt der Bauchöhle.
00:19:53: Ja,
00:19:54: Entschuldigung.
00:19:57: Eine Ultraschalluntersuchung der Bauchöhle, um dort eben sehen zu können, haben wir Veränderungen an den Darmenteilen, die wir sehen können, weil sich tatsächlich in manchen Fällen diese Entzündungszellen, die in die Darmband einwandern und dort zu der Entzündung führen.
00:20:12: Auch im Ultraschall sehen lassen, in Form von einer Verdickung dieses Darmenteiles, der dann betroffen ist, sodass das auf jeden Fall ein Hinweis ist, dass dort ein Problem vorliegt und man natürlich auch schon ein bisschen einschätzen kann, haben wir eher den Dickdarm betroffen oder eher dünnen Darmenteile.
00:20:30: Also eine Diagnostik nach Ausschlussverfahren, so ein bisschen würde man sich auch den Magen ansehen?
00:20:35: Es ist tatsächlich so, dass, wie gesagt, die Symptomatik ja oft sehr ähnlich ist zu einer Magenerkrankung.
00:20:41: Und auch die Erkrankung, dass es auch so oft von einer Magenerkrankung begleitet sein kann.
00:20:47: Also das kann durchaus miteinander einhergehen.
00:20:49: Sodass im Rahmen von dieser Diagnostik durchaus auch eine Gastroskopie ... angemessen sein kann.
00:20:56: Vor allem im Hinblick darauf, dass man dann natürlich auch, und dann kommen wir jetzt schon in die speziellere Diagnostik,
00:21:03: Proben
00:21:04: von dem Anfangsabschnitt des Dünndames entnehmen kann.
00:21:09: Also Biopsin, die man dann entnimmt unter Betäubung
00:21:12: oder?
00:21:13: Grundsätzlich ist das am stehenden sedierten Pferd möglich, also wie auch eine normale Gastroskopie.
00:21:19: Und dann wird quasi, das Gastroskop ist ja relativ lang, der Magen einmal komplett durchquert mit dem Gastroskop, bis man dann im Endeffekt im Bereich des Magenausgangs sich wiederfindet, diesen passieren kann und dann tatsächlich im Duo-Denum, also im Anfangsabschnitt, dem ersten Abschnitt des Dünndames zu sein.
00:21:38: Und da kann man dann durch das Gastroskop mit einer ganz kleinen Biopsiezange, die ist ungefähr so zwei bis drei Millimeter groß, also das ist wirklich ein sehr, sehr kleines Stück, und dort dann auch eben Proben entnehmen kann.
00:21:52: Da ist so erstmal jetzt keine zusätzliche Betäubung, außer diese Sedierung, die sowieso für die Gastoskopie notwendig ist, nötig, weil das so ein kleiner Teil ist, dass das eigentlich nicht wirklich bemerkt wird vom Pferd.
00:22:05: Also die tolerieren das tatsächlich sehr gut, dass man da Proben entnimmt, ohne dass da Probleme entstehen.
00:22:11: Es klingt auf jeden Fall aufwendig, da eine kurze Zwischenfrage nach den Kosten.
00:22:17: Also mit was muss ich rechnen, als Patientenbesitzer, wenn ich weiß, okay, da steht jetzt an.
00:22:24: Und das ist wahrscheinlich nicht ein Pappenstil, inklusive der Laboruntersuchung.
00:22:27: Also so grob über den Daumen.
00:22:31: Es ist natürlich immer etwas schwierig zu sagen, weil das auch vom individuellen Fall abhängig ist und natürlich auch davon, wie schnell findet man tatsächlich.
00:22:44: Wenn ich jetzt ganz schnell zu einem Ergebnis komme, brauche ich ja mit weniger Maßnahmen, als wenn ich wirklich lange auf die Suche gehen muss, bis ich eine Diagnose stellen kann oder was finden kann.
00:22:53: Wir können das vielleicht am Beispiel erklären, wenn ein Pferd kommt, immer mit dem Vorbruch, dass mehrfach Koliken aufgetreten sind.
00:23:00: Da wird man eine klinische Untersuchung machen und anschließend auf jeden Fall eine Ultraschall-Untersuchung.
00:23:08: Problem offensichtlich ist, also Darmwände verdickt sind, dann wird man mit der Untersuchung schon die Verdachtdiagnose stellen können.
00:23:16: Und das heißt, dann sind im Prinzip ganz wenige Untersuchungen notwendig und man hat schon die Diagnose.
00:23:22: Wenn das aber ein relativ unspezifisches Symptomatik ist und man muss viel mehr abklären in Bezug auf, was ist mit Erleber, was ist mit Ernierer oder andere ... Grunderkrankungen, die auch noch in Frage kommen, ist die Diagnostik einfach ausführlicher.
00:23:39: Ich würde sagen, die einzelnen diagnostischen Schritte sind vom Kostenaufwand her gar nicht so unterschiedlich.
00:23:44: Es ist zum Schluss die Anzahl der Maßnahmen, die man ergreifen muss, die dann letztendlich für einen unter Umständen hohen diagnostischen Kostenaufwand sorgen.
00:23:56: Verstehe, aber können Sie in eine konkrete Zahl sagen, also auf was muss ich mich einstellen, wenn ich eine Diagnose abgesichert haben möchte?
00:24:04: Mit diesen Untersuchungen, die wir jetzt gerade angesprochen hatten, also wir machen eine Labor-Diagnostik, eine Ultraschall-Untersuchung vom Bauchraum, eine Gastroskopie, mitgegebenenfalls einer Biopsy-Entnahme, dazu kommt dann noch die histopathologische Untersuchung, also die Bewertung dieser Biopsy durch einen... Pathologen, der sich das unter dem Mikroskop anschaut.
00:24:26: Plus, dass man schon noch versuchen würde, mögliche andere Ursachen auszuschließen, z.B.
00:24:33: eben einen stärkeren Parasitenbefall oder eine Sandenteropatie, eine Ablagerung von größeren Mengen an Sand im Dickdarm.
00:24:42: Auch das kann zu ähnlichen Symptomen führen.
00:24:44: Ist man so plus, minus, würde ich sagen, bei um die Tausend Euro für diese.
00:24:50: Erste Diagnostik.
00:24:51: Gut, ist ja heutzutage wichtig, dass man mal ungefähr die Größe hat.
00:24:54: Auf jeden Fall, ja.
00:24:56: Aber vielleicht noch mal auch zu den Kosten.
00:24:58: Da ist Untererfahrung.
00:25:00: Häufig so, dass die Tierbesitzerinnen oder der Tierbesitzer haben sich schon lange mit der offensichtlichen Krankheit auseinandergesetzt.
00:25:07: Es ist schon viel geprüft worden und die Unsicherheit ist häufig das viel quälendere, als nach der Abklärung, wenn klar ist, das ist die Ursache und man kann Maßnahmen ergreifen.
00:25:20: Diese Diagnostik lohnt sich auch in dieser Hinsicht, dass man weiß, hier ist eine tatsächliche Erkrankung zugrunde liegend und wir haben nicht das Problem irgendwo in unserem Management.
00:25:30: Also diese Diagnostik schafft auch ein Stück weit Sicherheit für den Tierbesitzer.
00:25:35: Also die Irrfahrt ist dann vorbei?
00:25:37: Ja, so kann man das nicht sagen.
00:25:40: Gibt es denn ganz gezielte Diagnose-Methoden, um diese Erkrankung festzustellen?
00:25:45: Um eine gesicherte ... Diagnose zu haben oder das, was die höchste Sicherheit bietet, ist es schon so, dass die Biopsie mit anschließender Untersuchung durch einen Pathologen die sicherste Methode der Wahl.
00:25:59: Wir haben dabei nur einen Problem.
00:26:01: Ich hatte gerade gesagt, die Biopsiezange ist ungefähr zwei bis drei Millimeter groß.
00:26:06: Der Darm des Pferdes hat natürlich eine riesige Oberfläche.
00:26:09: Das heißt, wir haben da sehr viele Stellen, wo wir zum einen nicht hinkommen und zum anderen muss man auch sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass man genau mit diesen zwei bis drei Millimeter Biopsie-Zange den Bereich erwischt, der verändert ist.
00:26:22: Das kann schwierig sein.
00:26:24: Wir haben natürlich eine Möglichkeit, dass wir das ein bisschen vorher uns überlegen können.
00:26:29: Welchen Bereich wir beproben wollen, das ist zum einen gibt es die Möglichkeit, eben dieser Duodenumschleimhautbiopsy, also der Biopsy im Anfangsabschnitt des Dünndames mit einem Gastroskop, wenn wir eher den Verdacht haben, dass hauptsächlich der Dünndam betroffen ist.
00:26:44: Anders gibt es auch die Möglichkeit, eine Biopsy aus der Rektumschleimhaut zu entnehmen, wenn man den Verdacht hat, dass eben eher Dickdarmanteile getroffen sind.
00:26:55: Aber wie gesagt, so von... von entweder gastroskopisch oder mit Direktumstein- und Biobsi, gibt es natürlich einen großen Teil des Dames, den wir nicht proben können über diese minimalinvasiveren Methoden.
00:27:09: Es gibt natürlich die Möglichkeit, auch intraoperativ, Biobsi- und Darmproben zu entnehmen, wobei das natürlich eine sehr viel größere Aufwand und natürlich die wesentlich invasivere Methode ist.
00:27:24: Eine weitere Möglichkeit, die wir haben, um eine Schädigung der Darmwand nachzuweisen, sind sogenannte Absorptionstests.
00:27:32: Das bedeutet, ich überprüfe, wie gut kann der Darm Nährstoffe überhaupt aufnehmen oder Stoffe überhaupt aufnehmen.
00:27:40: Beim Pferd ist es so, dass wir vor allem den sogenannten xylose Absorptionstest verwenden.
00:27:47: Xylose ist hierbei ein spezieller Zucker, Holzzucker auch genannt und der Vorteil an diesem Zucker ist, dass der normalerweise im Pferdekörper nicht vorkommt.
00:27:59: Das heißt, das Prinzip von diesem Test ist, wir geben dem Pferd eine definierte Menge von diesem Holzzucker ein über eine Nasenstundzonde, warten einen gewissen Moment, den wir quasi dem Darmzeit geben, diesen Stoff aufzunehmen und können dann eben diesen Zucker im Blut nachweisen und können eben sicher sagen, dass alles, was wir von diesem Zucker im Blut nachweisen können, sicherlich von der Menge Stamm, die wir eingegeben haben und somit auch absorbiert worden.
00:28:28: Da gibt es gewisse Referenzwerte, wie hoch dieser Wert bei einem normalen Pferd ist, wie hoch dieser Wert ist bei einem Pferd, wo wir von einer Malabsorption, also von einer geringeren Nährstoffaufnahme ausgehen.
00:28:41: Und so kann man eben den Darm etwas im Gesamteren... Betrachten, ohne dass ich eine Probe von einer gewissen Stelle brauche.
00:28:49: Kann man vielleicht sagen, das Ergebnis ist in der Regel so, dass die Pferde, die erkrankt sind, bei denen wird diese Xylose langsamer aufgenommen.
00:28:58: Und es wird auch nicht so viel aufgenommen, wie beim gesunden Pferd.
00:29:00: Das ist, kann man vielleicht das Ergebnis mitteilen.
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00:29:54: Jetzt habe ich den Test zurück.
00:29:56: Es ist gesichert, mein Pferd hat genau diese Erkrankung.
00:29:59: Also, auf was muss ich mich einstellen und welche Behandlungsmethoden gibt es bei IBD?
00:30:06: Also grundsätzlich ist es so, dass zum einen die eine Säule der Therapie das Haltungsmanagement oder das Fütterungsmanagement ist.
00:30:15: Womit man schon versucht, einen positiven Einfluss auf diese Erkrankung zu haben.
00:30:20: Und zum anderen über Medikamente versucht, diese überschießende Immunreaktion des Dames in den Griff zu bekommen.
00:30:27: Cortison,
00:30:28: oder?
00:30:28: Genau.
00:30:29: Oh.
00:30:31: Ja, morgen.
00:30:33: Genau, es ist tatsächlich so, dass Glucocorticoida, also Cortison, auch für diese Erkrankung quasi die First-Line-Therapie, also das Mittel ... das Mittel der Wahl ist.
00:30:45: Meistens ist es so, dass man initial mit der Behandlung vor allem in schweren Fällen beginnt, indem man einen Präparat intravenös verabreicht, also nicht oral mit dem Hintergrund, das wir ja gerade schon gesagt haben.
00:31:00: Wir gehen davon aus, die Absorptionsfähigkeit des Darmes ist verhindert oder vermindert, sodass man auch davon ausgehen muss, dass nicht nur Nährstoffe schlechter aufgenommen werden, sondern logischerweise eben auch Medikamente.
00:31:12: die wir geben, sodass man initial, wie gesagt vor allem bei schweren Fällen, erst mal über einen Präparat gehen würde, was man in die Vene verabreichen kann, quasi um den Magen-Darm-Trakt erst mal zu umgehen.
00:31:23: Meistens verwenden wir da Dexamethasonen über einige Tage.
00:31:27: Und wenn man dann da schon mal initial die Entzündungsreaktion etwas zurückgedrängt hat, kann man dann auf ein Oralespräparat wechseln, was tatsächlich auch eigentlich ... sehr wichtig ist, weil man schon davon ausgehen muss und dann werden wir jetzt dabei auf was muss man sich einstellen, wie lange dauert das?
00:31:45: Dass man die Medikamente über einen längeren Zeitraum geben muss.
00:31:49: Längerer Zeitraum bedeutet jetzt erstmal in der initialen Phase mit Sicherheit mal mindestens vier Wochen in ausschleichender Dosierung.
00:31:57: Das heißt, man beginnt mit einer hohen Dosierung und versucht sich dann runter zu titrieren auf einen möglichst geringen.
00:32:04: Ich finde, das ist was ganz Wichtiges, was Sie sagen.
00:32:07: Cortison hat ja einen sehr schlechten Ruf als Medikament.
00:32:10: Natürlich ist es auch mit riesigen Verbunden, was Hufrehe angeht, zum Beispiel, oder auch andere Begleiterscheinungen.
00:32:19: Aber hier haben wir eine entzündliche Erkrankung und in der Regel geht die schon recht lang, bevor das Pferd vorgestellt wird.
00:32:27: Und dann ist es ... Das Allerwichtigste, dass man zuerst mal diese Entzündung entgegenwirkt.
00:32:33: Und dieses Dexamethasone, also ein Koartisonepräparat, das ist halt ganz stark entzündungswirksam.
00:32:40: Das heißt, damit kann man die Erkrankung zuerst mal zurückdrängen und dann die Symptomatik in der Regel verbessern.
00:32:47: Und danach kommen dann diese ja sagen wir mal modulierenden Effekte, dass man eben versucht die Dosierung.
00:32:53: zu reduzieren, neben den Managementen.
00:32:56: Jetzt können Sie vielleicht noch die anderen Möglichkeiten der Behandlung aufzählen.
00:33:01: Genau, also medikamentös haben wir noch andere Medikamente zur Verfügung, die man geben kann, zum Beispiel in besonders Therapieresistentenfällen oder eben auch in Fällen, wo ich ein Pferd habe, wo ... ich von einem erhöhten Reh-Risiko ausgehe, oder zum Beispiel eine Pferd, was schon mal eine Rehe hatte, wo man mit dem Cortison eher vorsichtig sein möchte.
00:33:24: Es gibt noch andere immunsupressive Medikamente, die wir verabreichen können, die auch beschrieben sind für das Pferd, allerdings nicht zugelassen sind, sodass sie eher quasi Mittel der zweiten Wahl sind.
00:33:37: Das ist zum Beispiel das Azzatio-Prin, ist auch wie gesagt ein immunsupressive Umgang.
00:33:43: was allerdings den Nachteil hat, dass man das erst mal über einen, dass das nicht direkt wirkt, sondern man das erst mal über einen gewissen Zeitraum verabreichen muss, bis man von der Wirkung sprechen kann.
00:33:53: Und zum anderen gibt es noch das Sulfadiazin, ein Medikament, was vor allem für entzündliche Erkrankungen des Dickdames eingesetzt wird, auch bei Menschen, sodass man da dann auch ... Wenn ich eine gesicherte Diagnose habe und auch weiß, ist eher der Dickdarm betroffen oder der Dünndarm betroffen, wäre das noch eine weitere Möglichkeit, wenn ich hauptsächlich ein Dickdarm-Problem habe, da positiv einzuwirken.
00:34:16: Das ist ein Medikament, das quasi lokal Entzündungshemmend direkt an der Darmwand wirkt und dort quasi, dass die Entzündung zurückdrängt.
00:34:25: Und man damit eben quasi die Therapie mit dem Cortison gegebenenfalls noch ergänzen kann.
00:34:32: um da vielleicht mit der Cortisonlosierung etwas schneller in niedrige Bereiche zu kommen.
00:34:39: Und Sie hatten vorhin erwähnt, dass Fütterungs- und Haltungsmanagement, dass man das überprüfen soll.
00:34:44: Was genau bedeutet das und was wäre hilfreich?
00:34:48: Bei der Fütterung von Pferden mit IBD, das ist eine schon komplexe Frage.
00:34:55: Es ist so, dass wir ja zum einen haben wir das Ziel möglichst ... viel Hochqualitatives und auch energiereiches Futter in das Pferd hineinzubekommen.
00:35:06: Die Pferde sind meistens abgemagert.
00:35:08: Die Pferde haben zu wenig Protein, können die Nährstoffe schlecht aufnehmen.
00:35:12: Das heißt, wir brauchen zum einen sehr hochqualitative Futtermittel, die wir verabreichen können, um eben das Pferd wieder aufzubauen.
00:35:21: Also gutes Heu.
00:35:23: Genau, gutes Heu zum einen.
00:35:26: Und Heu ist bei diesen Pferden tatsächlich auch eigentlich wie immer das ... A und O. Das heißt, wir wollen hochqualitatives Heu verwenden, möglichst Heu aus einem frühen Schnitt.
00:35:36: Das heißt eher weiches, energierreiches Heu, jetzt kein überständiges Heu oder sehr strohiges Heu, weil die Pferde natürlich auch manchmal von ihrer Futteraufnahme nicht so gut sind.
00:35:47: Das heißt, wir wollen auch sehr schmackhaftes Futter gerne verwenden.
00:35:50: Und ansonsten ist es dann so, dass ... Wir ja auch darüber gesprochen hatten, dass man auch eine gewisse Rolle von der Futtermittel-Unverträglichkeit nicht ausschließen kann bei diesen Pferden.
00:36:02: Was dazu führt, dass man eigentlich versuchen möchte, die Anzahl der verschiedenen Futtermittel und damit auch die Anzahl der verschiedenen potenziellen Allergene möglichst gering zu halten.
00:36:13: Also
00:36:13: nicht die ganzen Töpfchen mit Zusatzmitteln.
00:36:15: Genau,
00:36:16: das ist ja was, wo man eher zu verleitet wird und denkt, ach ja, und hier, und das ist ja auch noch wunderbar und super, das wollen wir ... bei diesen Pferden eigentlich nicht, sondern wir wollen gezielt auch eher tatsächlich Einzelfuttermittel verwenden und keine Mischfuttermittel, wo noch verschiedenste Konservierungsstoffe et cetera, verschiedenste Komponenten drin sind.
00:36:35: Also nicht die Pellets oder das Müsli, wo man schon den Überblick verloren hat, sondern reinen Hafer als Beispiel.
00:36:41: Genau, Hafer bei diesen Pferden jetzt nicht unbedingt.
00:36:44: Das ist so, dass wir quasi als Energiekomponente meistens eher die Verwendung von Maisflocken ... empfehlen, weil die etwas energiereicher noch sind und damit besser vertragen werden.
00:37:00: Zu der Getreidekomponente kann man mit Sicherheit noch sagen, dass man versucht, auf Weizenprodukte weitgehend zu verzichten.
00:37:08: Sie hatten das vorhin schon angesprochen, die Glutenintoleranz, die es ja auch bei Menschen gibt.
00:37:13: Und es gibt auch beim Pferd tatsächlich einige wenige Studien, die eine Rolle von Gluten bei der Erkrankung zumindest suggerieren oder das für Wahrscheinlichheiten.
00:37:24: Wo
00:37:24: wäre Weizen drin?
00:37:26: in Pellets oder Müsli?
00:37:27: In verschiedensten
00:37:29: Futtermitteln.
00:37:30: Also es ist tatsächlich, denke ich, kann man da am besten sich die Liste der Zutaten anschauen und schauen, ob da Weizenprodukte enthalten sind.
00:37:38: Als weitere Komponent möchte man schon, dass das fährt ja möglichst viel.
00:37:43: Protein auch wieder aufnimmt.
00:37:45: Das heißt, eine Proteinergänzung ist auf jeden Fall auch empfehlenswert.
00:37:50: Was einem vielleicht als erstes in den Kopf kommt, wenn man an proteinreiche Futtermittel denkt, ist Soja.
00:37:55: Soja-Extraktionsschrot.
00:37:57: Das
00:37:57: ist ein Steak, aber nein.
00:38:00: Oder Reißlein oder Reißschalen.
00:38:02: Auch da wieder eine kleine Einschränkung.
00:38:05: Beim Pferd gibt es da keine genauen Studien zu, aber es ist z.B.
00:38:09: so, dass bei Wiederkeuern und vor allem bei Kälbern entzündliche Dameckrankungen durch Sojaprodukte getriggert werden können oder dadurch ausgelöst werden können.
00:38:19: Beim Pferd wissen wir das jetzt nicht genau, aber tendenziell ist es eben möglich, weshalb wir auch da sehr ähnlich wie mit dem Weizen, wenn wir eine andere Möglichkeit haben, als das Soja, lieber etwas anderes verwenden, z.B.
00:38:32: das, was man empfehlen will, werden z.B.
00:38:34: Erbsenflocken.
00:38:35: Die enthalten auch viel Protein und da gibt es eben keine Hinweise darauf, dass das entzündliche Damerkrankungen unterstützt.
00:38:43: Also das wären schon mal zwei Komponente, einmal eine reine Energiequelle plus noch eine Proteinergänzung.
00:38:49: Und dann kann man auch noch, wie das ja auch schon bei Magenerkrankungen oft verwendet wird, auf Öle zurückgreifen, auf Pflanzenöle.
00:38:57: Zum einen eben, wenn es nur um die energetische Komponente geht, zum Beispiel Sonnenblumenöl kann man dann verwenden.
00:39:04: z.B.
00:39:05: in Kombination mit Leinöl, weil das ein sehr gutes Omega-III-Fettsäure-Muster hat.
00:39:11: Diese beiden Öle in Kombination kann man z.B.
00:39:14: verwenden.
00:39:14: Und was dann natürlich auch von Bedeutung ist, wenn die Pferde generell die Nährstoffe schlechter aufnehmen können, haben die natürlich wahrscheinlich auch eine Problematik, damit Vitamine Mineralstoffe aufzunehmen.
00:39:26: Das bedeutet ... Mangel.
00:39:28: Zumindest kann man sich vorstellen, dass dort ein Mangel besteht.
00:39:30: Also, dass man auch ein quasi hochwertiges ... dass man darauf achtet, dass es eben keine Weizen und keine Sojaprodukte enthält.
00:39:42: Das könnte man ja auch über ein Blutbild herausfinden.
00:39:45: Ob es da irgendwo Mangelerscheinungen gibt?
00:39:47: Ja, genau.
00:39:48: Das wäre jetzt so ein Vorschlag, sag ich mal, für die Fütterung eines Pferdes mit IBD.
00:39:53: Das muss man mit Sicherheit auch immer von Pferd zu Pferd individuell betrachten.
00:39:57: Auch gerade, was die Akzeptanz von diesen Futtermitteln angeht.
00:40:01: sind diese einzelnen Produkte, wie Erbsenstockung oder Meiststockung natürlich weniger schmackhaft als jetzt das Müsli, was man so kaufen kann.
00:40:11: Was kommt
00:40:11: aufs Pferd an?
00:40:14: Und was auch bei manchen Pferden gut funktioniert, ist, dass man tatsächlich versuchen kann, die vor allem in den Sommermonaten auf ausschließliche Fütterung mit Weidegras umzustellen.
00:40:27: Viele Pferde reagieren da sehr gut.
00:40:30: oder haben dann in den Sommermonaten, wenn sie ausschließlich mit Gras gefüttert werden, deutlich weniger Probleme als bei der Häufütterung.
00:40:38: Ja, okay.
00:40:38: Es gibt einen guten Einblick darüber, dass das Management, die Haltung, die Fütterung ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung ist.
00:40:46: Wir sind auf die Medikamentösetherapie eingegangen.
00:40:49: Das hat Frau Grupp erläutert.
00:40:51: Das ist ein weiterer Bestandteil.
00:40:53: Vielleicht kann man den letzten Teil der Behandlung noch erwähnen, wenn wir irgendwelche Ursachen haben, die Auslöser sein könnten, also parasitäre Erkrankungen zum Beispiel, dann würde man diese möglichen Primärkrankheiten auch noch ganz gezielt behandeln, zum Beispiel durch Entwurmung oder wenn Bakterien im Verdacht, denen das man Antibiotika gibt.
00:41:17: Aber das sind eher Begleitbehandlungen oder Erstbehandlungen, um dann sich dieser Langzeittherapie der IBD zu widmen.
00:41:28: Ist die Krankheit heilbar?
00:41:29: Das kann man mit einem Wort beantworten.
00:41:32: Nein.
00:41:33: Das ist eine Autoimmunerkrankung.
00:41:35: Das heißt, das Immunsystem reagiert da in gewisser Weise über.
00:41:39: Und das kann man auch quasi temporär eben mit diesen Medikamenten und durch Ausschalten von den begünstigen Faktoren und eben durch die Fütterung positiv beeinflussen.
00:41:52: Aber die Erkrankung ist im klassischen Sinne so nicht teilbar, in dem Sinne, dass ich über eine gewisse Zeit Medikamente gebe.
00:41:59: Und dann ist es weg und wieder gut.
00:42:02: Aber es ist eben auch wie bei vielen chronischen Erkrankungen, in denen man durch ein geeignetes Management mindestens verbessern kann.
00:42:10: Bedeutet denn das, dass mein Pferd dadurch automatisch auch weniger leistungsfähig ist?
00:42:15: Das ist natürlich etwas Phasenweise zu betrachten.
00:42:18: Die Pferde, die an dieser Erkrankung ... leiden.
00:42:21: Das ist oft kein linearer Verlauf, sondern die haben gute Phasen, die haben schlechtere Phasen.
00:42:28: Je nachdem, wie das Management gerade funktioniert oder nicht funktioniert, kann ein Pferd auch eine Zeit lang ohne Medikamente klarkommen und eine Zeit lang quasi keine Symptome zeigen.
00:42:39: Dann ist es mit Sicherheit so, dass das ein leistungsbereites Pferd sein kann in Phasen, wo man aber von einem Schub in Anführungszeichen dieser Erkrankung ausgeht.
00:42:49: Man also das Pferd abmagert.
00:42:52: Oft sind die eben auch etwas lethargisch, etwas apathisch.
00:42:56: Sie haben Durchfall, wiederkernte Koliken.
00:42:59: Dann ist das natürlich schon was, was die Leistung und die Nutzbarkeit des Pferdes auf jeden Fall einschränkt.
00:43:07: Und Sie hatten ja vorhin die unterschiedlichen Formen von IBD beschrieben.
00:43:12: Gibt es da unterschiedliche Prognosen auch jeweils nach den einzelnen Formen und Abgrenzungen?
00:43:17: Also ist das eine besser oder schlechter?
00:43:20: Grundsätzlich kann man sagen, dass die Prognose für diese eosinophilen infiltrativen Erkrankungen, also die Erkrankungen, wo diese Entzündungszellart der eosinophilen Granulozyten einwandert, dass die etwas besser ist als die anderen Formen.
00:43:38: Auch für diese ganz fokalen oder lokalisierten Formen kann die Prognose etwas ... besser sein, dann, wenn man diesen betroffenen Darmabschnitt möglicherweise entfernen kann, zum Beispiel.
00:43:53: Zusammenfassend ist es aber schon so, dass die Prognose für die Erkrankung im Allgemeinen als vorsichtig bis schlecht anzusehen ist, für diese eosinophilen Erkrankungen eher Richtung vorsichtig und für die anderen Formen eher Richtung vorsichtig bis schlecht.
00:44:10: Ich glaube, diesbezüglich, da ist noch eine Frage offen geblieben, war vorhin, in welchem Alter treten die denn auf?
00:44:15: Und gerade diese Eosinophilen treten eher bei jungen Pferden auf.
00:44:20: Die anderen eher bei allen auch Rasse übergreifen.
00:44:24: Das gibt bei einzelnen Rassen.
00:44:25: Bei Trabern gibt es eine Form, die häufiger auftritt.
00:44:28: So ist es auf jeden Fall beschrieben.
00:44:30: Aber bei den Eosinophilen können wir, ich glaube sagen, eher junge Pferde betroffen und ihr vielleicht auch um da.
00:44:36: die Prognose nicht ganz schlecht zu machen.
00:44:39: Da lohnt es sich auf jeden Fall, da eine Behandlung zu initiieren und da optimal Voraussetzungen zu schaffen, dass man die Pferde erhalten kann.
00:44:48: Was man auch, denke ich, sagen kann, ist, dass ... tatsächlich auch schon sehr davon abhängt, wie gut das Pferd auf die Therapie anspricht.
00:44:57: Und das ist tatsächlich sehr, sehr unterschiedlich.
00:44:59: Wenn ein Pferd auf die Initiale Therapie gut anspricht, man dadurch eine Verbesserung erzielen kann, ist die Prognose mit Sicherheit deutlich besser als bei einem Pferd, was auf die Initiale Behandlung gar nicht oder nur sehr minimal anspricht und besser wird.
00:45:13: Auch wenn schon weit fortgeschritten ist wahrscheinlich dann.
00:45:15: Und das ist eigentlich ein entscheidender Hinweis, dass man in jedem Fall ... einem Pferd einen Therapieversuch zugestehen sollte.
00:45:24: Bevor man wohl wissen, dass die Prognose insgesamt sicher vorsichtig bis auch schlecht ist.
00:45:30: Aber wir haben wirklich einige Pferde, wo man sagen kann, dass es fast nicht zu erwarten gewesen, wie positiv sich dieses Pferd entwickelt hat.
00:45:39: Okay, dann lohnt es sich ja auf jeden Fall.
00:45:42: Und ist ein Versuch wert.
00:45:43: Kann ich denn vorbeugend etwas tun, um IBD zu vermeiden oder ...
00:45:48: Da sind wir leider wieder bei dem schwierigen Punkt, dass wir ja leider keine feste Ursache wissen oder Faktoren wissen, die wir dann vermeiden können oder behandeln können.
00:46:00: Mit Sicherheit ist es so, dass wenn man die Rolle von Parasiten bei der Entstehung nicht ausstießen kann, dass grundsätzlich auf ein gutes Entwurmungsmanagement zu achten ist und auch auf ein gutes Management in dieser Richtung.
00:46:15: Ansonsten ... ist es, wie gesagt, leider so, dass man die Ursache leider nicht genau kennt und damit auch schlecht entgegenwirken oder vorbeugen kann.
00:46:24: Wir sitzen ja hier in der tierzlichen Hochschule am EP-Zentrum der Forschung.
00:46:29: Da in meiner Frage auch in die Zukunft gerichtet, gibt es denn etwas, was Erfolgsversprechen gerade untersucht oder entwickelt wird?
00:46:37: Medikamente, ein Therapieansatz, wo sie sagen, ah, ja.
00:46:42: Da sind wir grad dabei oder ich hab davon gehört.
00:46:45: Und das könnte mal der Durchbruch sein oder ist es noch in den Sternen?
00:46:48: Das ist
00:46:49: bei diesen Erkrankungen, die eben so relativ zum einen selten sind.
00:46:54: Das heißt, wir haben generell schon wenige Pferde, die das haben.
00:46:57: Und dann aber auch nicht nur selten sind, sondern auch in dem Patienten gut, was man dann hat, sehr individuell und sehr unterschiedlich sind.
00:47:06: Das macht einfach die ... Erforschung des Themas und auch natürlich die Entwicklung von neuen Therapieoptionen extrem schwierig, sodass mehr jetzt zum momentanen Zeitpunkt nicht bekannt ist.
00:47:17: Dass es da etwas gibt, womit wir in den nächsten Jahren rechnen können, was da extrem erfolgsversprechend wäre.
00:47:23: Ein großer Hype sind ja aktuell diese probiotischen Produkte, die Menschen in der Botheke auch rezeptfrei kaufen können.
00:47:31: Denkt ja, gute schadet vielleicht nicht.
00:47:33: Gibt es in dem Bereich Untersuchungen, dass das vielleicht helfen könnte, um das Mikrobiom im Darm der Pferde positiv zu beeinflussen?
00:47:40: oder ist es alles
00:47:42: eher
00:47:42: noch nicht erforscht?
00:47:44: Das Mikrobiom eines Darmes, eines Pferdes ist mit Sicherheit immer mal wieder Gegenstand von verschiedenen Forschungsgruppen und auch immer mal wieder, weil das natürlich was wäre, was extrem gut wäre, wenn das funktionieren würde und wenn man das machen könnte.
00:48:01: Das ist aber zum momentanen Zeitpunkt schon so, dass wir das noch nicht nachgewiesen werden, konnte, dass es tatsächlich einen durchschlagenden, positiven Effekt hat auf die Erkrankung.
00:48:14: Verstehe.
00:48:15: Leider.
00:48:16: Ich hab heute sehr viel gelernt über IBD.
00:48:19: Und es ist, glaub ich, gut, wenn man diese Diagnose im Hinterkopf hat, wenn entsprechende Symptome beim Pferd erscheinen und auftreten.
00:48:28: Denn ich hab gelernt, und so nehm ich's wahr, dass man je früher ... Man behandelt, desto besser sind auch dann die Chancen, das für das Pferd gut zu begleiten.
00:48:38: Es ist korrekt.
00:48:39: Genau.
00:48:40: Je früher ich das Problem erkenne und das Problem dann auch behandeln kann, desto besser ist schon die Chance, dass ich auch auf längere Sicht das Pferd in einem komfortablen Zustand halten kann.
00:48:51: Mit eben medikamentöser Therapie, die man dann modulieren kann, je nachdem, wie sich das Pferd entwickelt.
00:48:58: Mithaltungsmanagement, aber eben auch mit ... regelmäßige Monitoring und regelmäßiger Neuevaluierung von dem aktuellen Zustand.
00:49:07: Das ist mit Sicherheit, denke ich, auch noch wichtig, dass man diese Pferde, wenn man die einmal versucht hat, zu behandeln, dass man sie dann nicht aufgibt oder sich selbst überlässt, sondern dass man die regelmäßig nachkontrolliert, regelmäßig sieht, wo ist mein Status quo, wo können wir vielleicht noch was optimieren, was können wir noch weiteres tun?
00:49:25: Und dann kann man diese Pferde schon auch über längere Zeit auch über Jahre in einem komfortablen Zustand halten, wo sie auch ein Leben mit Lebensqualität führen können und auch weiter sportlich nutzbar sind.
00:49:41: Ganz herzlichen Dank für diese wirklich spannenden Informationen zu diesem Thema.
00:49:47: Wir haben ja einige Zuschriften bekommen, die wollen genauer wissen.
00:49:51: Also, per Mail, was genau ist diese Erkrankung, wie können wir IBD besser managen?
00:49:58: und von daher, glaube ich, Hat wir heute hier ein großes, rundes Bild von können.
00:50:03: Ja, das hoffen wir sehr, dass wir das damit geschafft haben.
00:50:05: Vielen Dank, Frau Grob, dass Sie da waren.
00:50:07: Vielen Dank, Ihnen ertennt, dass Sie da waren.
00:50:09: Und ich freue mich aufs nächste Mal.
00:50:11: Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.
00:50:15: Bis dahin empfehlen Sie uns gern weiter und schicken uns auch Ihre Themenwünsche.
00:50:19: Einfach per Mail an podcast.gpm-wett.de.
00:50:23: Also
00:50:24: podcast.gpm-vet.de.
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